Patienten mit psychischen Leiden setzen eher auf Sterbehilfe

Eine Studie des Universitätskrankenhauses Brüssel zeigt, dass vor allem Menschen mit Depressionen und Persönlichkeitsstörungen am ehesten eine Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Allerdings gibt es in Europa bisher nur drei Länder, die dies als Grundlage für eine legale Sterbehilfe zulassen. In Deutschland wird indes weiter über einen Gesetzentwurf zur Sterbehilfe debattiert.

Bei der Möglichkeit der aktiven Sterbehilfe gehen die Meinungen in Europa immer noch stark auseinander. (Foto: Flickr/ My bed by Mark Hillary CC BY 2.0)

Bei der Möglichkeit der aktiven Sterbehilfe gehen die Meinungen in Europa immer noch stark auseinander. (Foto: Flickr/ My bed by Mark Hillary CC BY 2.0)

Sterbehilfe ist seit jeher ein Streitthema, dem allein in Europa schon mit ganz unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen entgegen getreten wurde. Während in Deutschland nur die passive Sterbehilfe erlaubt ist und eine aktive zumindest zur Debatte steht, gibt es in anderen europäischen Länder unterschiedliche Einstellungen dazu, wer Sterbehilfe in Anspruch nehmen darf. Kompliziert wird es hier beispielsweise für Patienten, die unter schweren psychischen Leiden wie Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen leiden.

So sind Belgien, die Niederlande und Luxemburg die einzigen Länder in Europa, in denen ein psychisches Leiden als legaler Grund für die Inanspruchnahme von Sterbehilfe akzeptiert wird. Doch wie eine neue Studie zeigt, ist besonders bei diesen Patienten das Bedürfnis nach Sterbehilfe hoch.

Ein Team aus Wissenschaftlern um den Lieve Thienpont vom Brüsseler Universitätskrankenhaus hat dafür 100 psychiatrische Patienten und ihre Anträge auf Sterbehilfe aufgrund unerträglichen psychischen Leidens analysiert. Alle waren zwischen 2007 und 2011 aufgrund ihrer psychiatrischen Störung in einer ambulanten Behandlung. Die Wissenschaftler begleiteten die Patient in diesem Zeitraum und noch ein Jahr darüber hinaus. Das Ergebnis: 90 Prozent der untersuchten Patienten hatten mehr als eine psychiatrische Erkrankung. Bei 58 Prozent wurde zudem eine Depression festgestellt. Die zweithäufigste Erkrankung war eine Persönlichkeitsstörung (50 ). 13 litten unter dem Asperger – Syndrom.

Von den insgesamt 100 Anträgen auf Sterbehilfe wurden letztlich 48 akzeptiert. 35 Patienten setzten den Antrag um. Von den übrigen 13 wurden acht verschoben, weil die Patienten angegeben hatten, dass bereits die bloße Möglichkeit zur Sterbehilfe ihnen einen „seelischen Frieden” beschert habe. Am Ende der Studie im Dezember 2012 waren dann 43 der 100 Patienten gestorben – sechs dieser hatten sich selbst das Leben genommen.  „Depressionen und Persönlichkeitsstörungen sind die häufigsten Diagnosen bei psychiatrischen Patienten, die eine Sterbehilfe einfordern”, so die Studie. Das Asperger-Syndrom dagegen sei in diesem Zusammenhang eine zu vernachlässigende Krankheit.

In Deutschland geht indes die Debatte um den Gesetzentwurf zur Sterbehilfe weiter, der noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden soll. Vier verschiedene Entwürfe gibt es. Drei dieser Entwürfe seien aber dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages zufolge nicht verfassungsmäßig. Das zumindest berichtete die Welt.

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