Attacke auf türkische Zeitung Hürriyet: Erdoğan-Anhänger greifen Redaktion an

Die türkische Zeitung Hürriyet wurde in den frühen Morgenstunden dieses Montags von rund 150 Anhängern der Regierungspartei AKP angegriffen. Die Erdoğan-Anhänger skandierten Partei-Slogans und versuchten die Redaktion zu stürmen. Dabei zerstörten sie Glasscheiben der Eingangstür.

Die Hürriyet-Redaktion wurde am frühen Montagmorgen von AKP:-Anhängern attackiert. (Screenshot YouTube)

Die Hürriyet-Redaktion wurde am frühen Montagmorgen von AKP:-Anhängern attackiert. (Screenshot YouTube)

Der Angriff auf das Redaktionsgebäude ereignete sich nur Stunden nach einem tödlichen Anschlag im Südosten der Türkei. Die etwa 150 Angreifer sollen auf das Sicherheitspersonal am Eingang des Redaktionsgebäudes in Bağcılar los gegangen sein. Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, habe die eintreffende Polizei die Angreifer schließlich vom Gelände drängen können.

Hintergrund des Angriffs soll ein inzwischen gelöschter Tweet der Hürriyet-Redaktion gewesen sein, in dem sich die Journalisten zu einem Live-Interview des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan am Sonntagabend äußerten (mehr hier). Im Gespräch mit dem regierungsnahen TV-Sender A-Haber erklärte Erdoğan: Wenn eine Partei es geschafft hätte, 400 Abgeordnete oder die (nötige) Anzahl, für eine (neue) Verfassung zu bekommen, würde die Situation heute ganz anders aussehen.

Die Hürriyet-Journalisten brachten diese Aussage darauf hin mit der verkürzten Version „Das wäre nicht passiert, wenn 400 Mandate erreicht worden wären“ aber mit dem Anschlag in Daglica in Zusammenhang (mehr hier). Erdoğan selbst wollte seine Äußerung allerdings nicht in Verbindung zu den aktuellen Ereignissen sehen. Dass er sich damit auf die insgesamt schwierige Lage im Land bezog, stellte er noch während des Interviews heraus.

Ein Militärkonvoi war am Sonntag in Daglica in der Provinz Hakkari in eine Sprengfalle geraten. Anschließend lieferten sich PKK-Kämpfer schwere Gefechte mit den Sicherheitskräften. Das Militär teilte mit, mehrere Soldaten seien getötet und verletzt worden, nannte jedoch keine genaue Opferzahl. Die Zeitung «Hürriyet» berichtete, mehr als zehn Soldaten seien getötet worden.

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