Nachwuchsregisseur Ilker Çatak: Fatih Akin ist sein Idol

Beim Arbeitsamt bekam er den Tipp, Regisseur zu werden. Jetzt erhält Ilker Çatak, der in Hamburg und Berlin studiert hat, den Studenten-Oscar für seinen Film «Fidelity».

Es geht um Mut und es geht um Haltung und darum, dass man zu gewissen Dingen steht im Leben. (Screenshot YouTube)

Es geht um Mut und es geht um Haltung und darum, dass man zu gewissen Dingen steht im Leben. (Screenshot YouTube)

Bereits 2014 war Ilker Çatak (31) für seinen Film «Wo wir sind» für den Studenten-Oscar nominiert – der Film über eine drogenabhängige Mutter, die um das Sorgerecht für ihre Tochter kämpft, ging aber leer aus. «Für einen Zweit-Semesterfilm ist das vielleicht auch ein bisschen viel verlangt», schmunzelte der Jungregisseur mit den deutsch-türkischen Wurzeln damals. Ein Jahr später hat es dann doch geklappt: «Fidelity» – auf Türkisch Sadakat -, sein Abschlussfilm an der Hamburg Media School, erhält von der Filmakademie einen Studenten-Oscar.

«Das ist ein wahnsinniges Hochgefühl, zu wissen, dass der Film sein Publikum findet und die Leute universell berührt», sagte der Filmemacher nach der Bekanntgabe der Deutschen Presse-Agentur. «Fidelity/Sadakat» spielt während der politischen Unruhen in der Türkei rund um den Taksim-Platz und wurde 2014 mit großem Risiko in Istanbul gedreht.

«Ich habe einfach das Bedürfnis gehabt, einen Film zu machen, der die politische Situation in der Türkei aufgreift», sagt Çatak. Der Film erzählt von einer jungen Ärztin, die in einem Krankenhaus arbeitet. Auf der Straße toben Krawalle zwischen Demonstranten und der Polizei. In einer spontanen Aktion bietet sie einem politischen Aktivisten Schutz – dadurch gerät auch ihre Familie ins Visier der Polizei. «Es geht um Mut und es geht um Haltung und darum, dass man zu gewissen Dingen steht im Leben», sagt der 31-Jährige.

Geboren wurde Ilker Çatak 1984 in Berlin. Im Alter von 12 Jahren zog er mit seiner Familie nach Istanbul und machte dort sein Abitur. Anschließend kehrte er nach Deutschland zurück und studierte Film- und Fernsehregie in Berlin – nachdem ein Sachbearbeiter beim Arbeitsamt ihn nach seinen Hobbys gefragt und ihm dazu geraten hatte.

2011 wird er Autorenstipendiat des Bayerischen Rundfunks und arbeitet nebenher als Werbefilmregisseur, so die dpa. 2012 bis 2014 macht Çatak, der den Hamburger Regisseur Fatih Akin («Gegen die Wand») sein Idol nennt, seinen Master in Filmregie an der Hamburg Media School. Seitdem lebt er in Hamburg und Berlin. Nach Los Angeles wird der Filmemacher in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal reisen – nachdem er dort bereits seinen Film beim Palm Springs Festival gezeigt hat.

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