EU-Datenschutzreform gefährdet Mittelstand

Liquidität ist extrem wichtig für kleine und mittlere Unternehmen. Jeder Zahlungsverzug kann die Unternehmen in wirtschaftlich schlechten Zeiten in Schwierigkeiten bringen. Um ihre Forderungen bei einem Zahlungsausfall doch noch geltend zu machen, greifen daher etliche Mittelständler wie beispielsweise Handwerker zu Inkasso-Unternehmen. Dieser Schritt könnte aber im Zuge der neuen EU-Datenschutzreform bald nicht mehr möglich sein.

Inkasso-Unternehmen sind für viele Handwerker wie eine Rückversicherung. (Foto: Flickr/ Charles & Hudson/CC by sa 2.0)

Inkasso-Unternehmen sind für viele Handwerker wie eine Rückversicherung. (Foto: Flickr/ Charles & Hudson/CC by sa 2.0)

Derzeit leiden 45 Prozent des deutschen Handwerks unter Problemen mit offenen Rechnungen, der Online- bzw. Versandhandel und die Energieversorgungswirtschaft sind ebenfalls stark betroffen, wie eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen zeigt. Um die nicht gezahlten Gelder doch noch zu erhalten, setzen die Unternehmen oft auf Inkassounternehmen. Doch dieser letzte Hoffnungsschimmer könnte im Zuge der EU-Datenschutzreform bald nicht mehr bzw. nicht mehr ohne weiteres möglich sein. Vor allem der Artikel 6 über das geregelte berechtigte Interesse Dritter und die Zweckbindung könnte hier entscheidend sein, wie Andreas Bücker und Rechtsanwältin Sabine Schmidt vom Bundesverband in einer aktuellen Analyse zeigen.

So dürfte beispielsweise ein Handwerker keine Informationen über die Adresse des Schuldners und die genauen Vertragsumstände an das Inkassounternehmen weitergeben. Schließlich handelt es sich dabei um personenbezogene Daten. Daten, die das Inkassounternehmen jedoch benötigt, um agieren zu können. Eine solche Weitergabe von Informationen wäre dann nur möglich, wenn der Schuldner vorher seine Einwilligung dazu gegeben hätte. Allerdings wird sich nicht jedes Unternehmen bei Vertragsabschluss beispielsweise von einem Handwerker die Einwilligung abringen lassen, dass der Handwerker seine Daten an ein Inkassounternehmen weitergeben darf. 83 Prozent der Inkassounternehmen glauben, dass dadurch die Durchsetzung von Forderungen erheblich erschwert wird.

Zusätzlich dazu ist es zum aktuellen Standpunkt der Reformvorschläge auch möglich, dass der Schuldner die vielleicht tatsächlich vorher abgegebene Einwilligungserklärung noch zurückzieht, selbst, wenn bereits Post von einem Inkassounternehmen, warnt der Bundesverband. Auch eine Anfrage bei eine Auskunftei zur Absicherung könnte das Unternehmen aufgrund dieses Artikels nicht mehr vornehmen.

„Inkassounternehmen könnten für den Handwerker nicht mehr tätig werden“, so die Schlussfolgerung der Analyse. Das Unternehmen wäre dann beim Forderungsmanagement künftig völlig auf sich allein gestellt, da es kein Inkassounternehmen beauftragen und seine Forderungen auch nicht mehr zur Refinanzierung abtreten könnte. Dies könnte wiederum zu einer Zunahme der Liquiditätsengpässe bei Unternehmen kommen.

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