Mehmet E. Göker: Der größte deutsch-türkische (Ab-) Zocker aller Zeiten ist zurück

Ferraris und rauschende Parties: Mehmet E. Göker ist zurück. Nachdem die von ihm gegründete MEG 2010 in Deutschland fulminant Pleite ging, macht Göker heute in der Türkei große Geschäfte. Damals wie heute verkauft Göker Krankenversicherungen im Strukturvertrieb.

Die große Anschaffung der MEG AG war ein Ferrari, später stand der ganze Firmenparkplatz voller Sportwagen. (Foto: Flickr/$650,000 ride! Enzo, Ferrari by Jon Rawlinson CC BY 2.0)

Die große Anschaffung der MEG AG war ein Ferrari, später stand der ganze Firmenparkplatz voller Sportwagen. (Foto: Flickr/$650,000 ride! Enzo, Ferrari by Ron)

Sein Leben liest sich auf dem Papier wie eine Erfolgsstory. Der Sohn eines türkischen Schusters wird innerhalb kürzester Zeit zum Multi-Millionär, befehligt vom nordhessischen Kassel aus über 1000 Mitarbeiter und lässt sich für sein Lebenswerk in messianischem Ausmaß feiern. Mit gerade einmal 25 Jahren hat er seine erste Millionen verdient. Auf den Höhenflug kam der tiefe Fall. Die von Göker geleitete MEG AG hatte Provisionen in hohem Stil kassiert, indem sie Privatversicherungen vermittelte. Als die von seinem Unternehmen geworbenen Kunden von den Versicherungen absprangen, kamen die Rückforderungen der Versicherer. Diese konnte die MEG AG nicht tilgen und häufte einen Schuldenberg von unfassbaren 55 Millionen Euro an. Die Provisionen waren im teuren Lebensstil Gökers und seiner Mitarbeiter verschwunden.

Auf- und Abstieg der MEG AG

Nach dem rasanten Aufstieg kam nun der Absturz. In Deutschland wäre Göker zeitweise fast festgenommen worden, weil er eine ausstehende Strafe aus einem Gerichtsverfahren nicht beglich. Im Jahr 2008 war eine Geldstrafe von 720.000 Euro verhängt worden, von der Göker bis zuletzt 200.000 Euro dem Gericht schuldig geblieben ist. Den Betrag überwies er vollständig im Jahr 2012, wobei zu diesem Zeitpunkt noch ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung gegen ihn lief, so Das Investment. Bevor die MEG AG im Jahr 2010 vom Investor Aragon übernommen wurde, hatte sie bis zum Jahr 2009 fast eine halbe Millionen Euro Verlust gemacht und die Mitarbeiter systematisch Urkundenfälschung begangen. Aber wie kam es dazu?

Im Jahr 2003 gründete Mehmet E. Göker das Unternehmen MEG und spezialisierte sich auf die Vermittlung privater Krankenversicherungen. Große Versicherungsanbieter zahlen für vermittelte Privatversicherte stattliche Provisionen. Es handelt sich um Beträge von bis zu 8000 Euro, die ein Mitarbeiter der MEG für erfolgreich vermittelte Kunden in kürzester Zeit einstreichen konnte. Diese Provisionen werden für gewöhnlich im Voraus gezahlt und müssen zurückgezahlt werden, wenn die neugeworbenen Kunden nach einer bestimmten Zeit von der Versicherung abspringen. Göker wirbt dabei intelligenter als andere in seiner Branche. Er setzt auf personalisierte Werbung auf Google oder durch Datensatz-Händler. So erreicht er hohe Verkaufsquoten und die Unternehmen zahlen Provisionen für Geschäfte, die so noch nicht stattgefunden haben. In kürzester Zeit wird die MEG AG zum größten Vermittler privater Krankenversicherungen in Deutschland. Als immer mehr Versicherte abspringen und sich bei MEG die Rückforderungen häufen, kann das Unternehmen irgendwann nicht mehr zahlen und meldet Insolvenz an. Die privaten Schulden des Unternehmers häufen sich auf 21 Millionen Euro, so das

Wie der Phönix aus der Asche

Nachdem es lange still war um Mehmet Göker, konnte man nun auf seiner Facebook-Seite lesen, dass es wohl wieder gut läuft für den Firmengründer. Das nun in der Türkei angesiedelte MEG-Unternehmen würde wieder expandieren, man könne nun in Kusardasi, Antalya und Istanbul für MEG arbeiten. Der Firmenname steht immer noch für die Initialien des Gründers. Lupenrein liefen die Geschäfte aber auch hier nicht. Im Jahr 2012 gab es Hausdurchsuchungen auf dem gesamten Bundesgebiet und ehemalige Mitarbeiter kamen in Untersuchungshaft, so der Spiegel. Die deutschen Versicherungsvertreter hatten von ihm vermittelte Krankenversicherungen eingereicht, die er mit Adressdaten der der ehemaligen MEG AG abgeschlossen hatte. Da Göker 2009 aus dem Unternehmen ausschied, hätte er mit diesen nicht mehr handeln dürfen. Auf Göker selbst kann nichts zurückfallen, er sei nur Angestellter der neuen MEG, die Firma gehöre jetzt seiner Mutter, so dieser im Spiegel.

Selbst für einen Laien klingen diese Geschäfte unseriös. Die ihm nun nicht mehr so wohl gesonnenen Versicherer hält er mit folgendem Zitat im Handelsblatt auf Abstand: „Mir hat mal ein hochrangiger Mitarbeiter einer großen deutschen Krankenversicherung gesagt, dass viele Versicherungsvorstände und Mitarbeiter Angst haben, wenn wirklich rauskommt, wie das alles abgelaufen ist.“ Auf Zuruf hätten große Versicherungsunternehmen Axa und Hallesche Vorschüsse in Millionenhöhe gezahlt, so Göker. Auf den gezahlten Vorschüssen blieben die Unternehmen nach der Insolvenz der MEG AG sitzen, es war das Geld ihrer Versicherten.

Falsche Vorbilder?

Der aufmerksame Leser wird in den jüngeren Facebook-Beiträgen Gökers in seinem Profil und auf der MEG-Seite große Übereinstimmungen zu früheren Auftritten finden können. Dort sind Sätze zu Lesen, wie „Du kannst im Leben alles erreichen – wenn du bereit bist alles zu geben! Keine halben Sachen“. Gemäß seinem Credo „Talent, Disziplin und Ehrgeiz“ war Mehmet E. Göker bereit immer alles zu geben, dass er dabei zum hochverschuldeten Kriminellen wurde, schien ihn nicht zu stören. Neueste Bilder in seinem Pool mit „MEG“ Emblem auf dem Poolboden erinnern an frühere Auftritte. An ausschweifende Vertriebsparties bei denen Siegelringe verteilen wurden, Firmenparkplätze voller Sportwagen und Firmenfeste mit dem eigens eingeflogenen Tenor Paul Potts. Der Unternehmer ließ sich schon früher gerne mit Leibwächter und Rolls-Royce durch das provinzielle Kassel kutschieren. Dass er damit sich und seine Mitarbeiter der Kriminalität und dem moralischen Bankrott preisgab, scheint ihn und seine Fangemeinde bis heute nicht zu stören. Von vielen wird er immer noch als der glänzende Unternehmer gefeiert. Dass die MEG AG schon von Beginn an eine Totgeburt war macht der spätere Insolvenzverwalter Fritz Westhelle bei Spiegel TV klar: „Es war von Anfang an so, dass das Unternehmen mehr Geld ausgegeben hat, als das Unternehmen eingenommen hat.“

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