Türkei ist Weltmeister bei der Wirtschaft

Die türkische Wirtschaft hat zuletzt überraschend stark zugelegt. Nach Angaben des türkischen Statistikamtes (Turkstat) legte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2015 um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Allzu viel Optimismus will Finanzminister Mehmet Şimşek kurzfristig aber dennoch nicht verbreiten.

Der türkische Mehmet Şimşek rechnet nun auch für das dritte Quartal mit einem robusten Wachstum der türkischen Wirtschaft. (Screenshot YouTube)

Der türkische Mehmet Şimşek rechnet nun auch für das dritte Quartal mit einem robusten Wachstum der türkischen Wirtschaft. (Screenshot YouTube)

Eigentlich hatten Ökonomen nur mit einem Plus von 3,45 Prozent gerechnet. Jetzt hat die Türkei deutlich mehr geschafft. Insgesamt 3,8 Prozent legte die türkische Wirtschaft von April bis Juni 2015 zu. Im ersten Quartal waren es lediglich 2,5 Prozent. Das jüngste Ergebnis ist das schnellste Wachstum seit Anfang 2014, als die türkische Wirtschaft um 5,1 Prozent zulegen konnte.

Der türkische Mehmet Şimşek rechnet nun auch für das dritte Quartal mit einem robusten Wachstum der türkischen Wirtschaft. Insgesamt werde die türkische Wirtschaft in diesem Jahr um rund drei Prozent wachsen, so seine Prognose. Vor allem in den Bereichen Automobil und Haushaltsgeräten, aber auch im Immobiliensektor boomen die Geschäfte.

Langfristig zeigte er sich durchaus optimistisch. Kurzfristig werde die Situation allerdings von politischer Unsicherheit überschattet. Sie sei ihm zufolge die größte Gefahr für den türkischen Aufschwung. Auch ein Abschwung auf dem größten türkischen Absatzmarkt, der EU, könnte die positive Tendenz wieder verkehren. Um das Wachstum aufrecht zu erhalten, brauche es politische Stabilität, eine starke Regierung und weitere Reformen. Das berichtet die türkische Zeitung Sabah.

Turkstat hatte die vorläufigen Zahlen an diesem Donnerstag veröffentlicht, so European Economic News. Capital Economics-Ökonom William Jackson bewertet das Ergebnis jedoch vorsichtig: „Wir glauben, dass das eine temporäre Sache ist. Eine höhere Inflation und straffere Geldpolitik werden dazu führen, dass das Wachstum in den kommenden Quartalen wieder geschwächt wird.

Die privaten Konsumausgaben der Türken stiegen zuletzt um 5,6 Prozent. Im Vorquartal waren das  4,6 Prozent. Die öffentlichen Ausgaben stiegen derweil um 7,2 Prozent. Die Investitionen wuchsen um 9,7 Prozent. Die Exporte brachen allerdings weiter ein, diesmal um 2,1 Prozent. Die Importe stiegen auf der anderen Seite um 1,6 Prozent.

Die Weltbank stellte ihre Aussichten für die Türkei am 1. Juli in einer kurzen Notiz vor. Darin wurde bestätigt, dass die Wachstumsprognose für 2015 auch weiterhin bei drei Prozent liegen und das Leistungsbilanzdefizit auf 4,6 Prozent des BIP fallen würde. Die  Wachstumsprognose für 2016 und 2017 wurde jedoch unter Berufung auf die unsicheren politischen Aussichten nach dem 7. Juni auf 3,5 Prozent beschnitten. Die Weltbank rechnet mit weiterem Druck auf den Wechselkurs. Die 12-Monats-Inflation dürfte bis Dezember 2015 auf sieben Prozent zurückgehen.

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