Türkei: Öcalan übt massive Kritik an HDP-Chef Demirtaş

Der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan macht den HDP-Chef Selahattin Demirtaş für das Chaos in der Türkei verantwortlich. Das Stocken des Friedensprozesses sei auf die Unfähigkeit von Demirtaş und der HDP zurückzuführen. Öcalan entpuppt sich als Realpolitiker.

HDP-Chef Selahattin Demirtaş steht in der öffentlichen Kritik. (Screenshot)

HDP-Chef Selahattin Demirtaş steht in der öffentlichen Kritik. (Screenshot)

Der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan hat sich endlich zu Wort gemeldet. Er beklagt die „Unfähigkeit“ der HDP und der Hardliner innerhalb der PKK. Diese seien nicht im Stande, den Friedensprozess fortzuführen, zitiert sondakika.com Öcalan.

Diese Kritik Öcalans ist bemerkenswert, da sie auf Meinungsverschiedenheiten zwischen zwei Lagern innerhalb der PKK hindeutet. Deshalb sollte ein differenzierter Blick auf die PKK geworfen werden. Das Öcalan-Lager möchte, dass der bewaffnete Kampf aufhört und es zu einer Lösung des Kurdenproblems kommt. Doch die Hardliner innerhalb der HDP sind durchgehend damit beschäftigt, den Friedensprozess zu torpedieren.

Die HDP gilt als politischer Arm der Falken innerhalb der PKK. Ohne Zweifel ist die PKK eine Terror-Organisation, doch der Sinneswandel Öcalans und seines Zirkels muss gewürdigt werden. Der HDP-Chef Selahattin Demirtaş hingegen möchte das Kurdenproblem offenbar in die 90er Jahre zurückversetzen. Das bedeutet Blutvergießen und viel Leid für die Bürger in der Türkei.

Während Demirtaş eine kurdisch-nationalistische Sichtweise auf die Ereignisse zu haben scheint, hat sich Öcalan im Verlauf der Jahrzehnte zu einem kurdischen Realpolitiker entwickelt. Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt, der bei all den Ereignissen um die PKK berücksichtigt werden muss. Die Führungskader der PKK bestehen nicht nur aus Kurden, sondern auch aus Türken, die die kurdische Sprache nicht beherrschen.

Allein schon diese Tatsache zeigt, dass es hier nicht um einen ethnischen Konflikt zwischen Kurden und Türken geht. In der Türkei muss eine politische Alternative zur HDP gefunden werden, die sich an den realpolitischen Vorstellungen Öcalans orientiert. Denn schließlich hat er gemeinsam mit der türkischen Regierung den Anstoß zum Friedensprozess gegeben und nicht die heißblütigen, jungen und unkontrollierbaren radikalen Kräfte der HDP.

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