Schrumpfende Gästezahlen: Die Türkei hat zu viele Hotelbetten

Jahrelang kletterten die Touristenzahlen in der Türkei nach oben. Die Hoteliers bauten ihre Angebote aus. Jetzt erweist sich genau das als fatal. Die nun zurückgehenden Buchungen bescheren der Tourismusbranche ein Überangebot an Hotelbetten. Sie müssen an der Preisschraube drehen, um diese überhaupt an den Mann und an die Frau zu bringen.

Nach Jahren der Expansion hat die türkische Tourismusbranche in dieser Saison einen schweren Dämpfer erhalten. Wirtschaftliche Probleme in Russland ließen viele Gäste von dort fernbleiben. Auch zuletzt wachsende Sicherheitsbedenken hielten Urlauber vom gewohnten Türkeibesuch ab. Dabei hatten sich die Hoteliers eigentlich auf weiter steigende Touristenzahlen eingestellt und kräftig investiert. Jetzt hat es die Branche mit einem Überangebot an Zimmern zu tun. Die Gastgeber sehen sich zunehmend gezwungen, die Preise nach unten zu korrigieren.

Es gibt ein Überangebot in den Hotels in der Türkei. Allein in Antalya kommen jährlich rund 35.000 neue Betten hinzu. Und das, obwohl bereits eine 600.000-Bettenkapazität vorhanden ist. Um diese zusätzlichen Kapazitäten in diesem Jahr auszulasten, sind rund eine Million Touristen notwendig. Doch der aktuelle Trend ist nicht nachhaltig, da der Sektor keine so hohe Anzahl von neuen Zimmer und Betten braucht“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Cornelia Diamond Golf Resort General Manager, Zafer Alkaya.

Dem Fachmann zufolge wären deshalb viele Hotels der Region in dieser Saison dazu gezwungen gewesen, die Preise für ihre Zimmer zu senken. „Hotels in Istanbul müssen das nicht. Doch in Antalya sind Herabsetzungen der Preise mittlerweile sehr häufig. Viele Hotels versuchen auch ihre Kosten zu senken, sogar indem sie Mitarbeiter entlassen. Solche Schritte haben aber auch einen Rückgang der Service-Qualität zur Folge. Und das führt zu einem weiteren Rückgang der Gästezahlen.“

Wie das Blatt unter Berufung auf die aktuellen Juni-Zahlen von STR Global berichtet, habe die Türkei den stärksten Rückgang der Hotelbelegungsraten in Europa, mit Ausnahme von Russland, erlebt. Im Juni dieses Jahres habe es eine Hotelbelegungsrate von 68,6 Prozent gegeben. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspräche das einem Rückgang von 7,6 Prozent. Die höchsten Hotelbelegungsraten wurden in Malta mit 90,5 Prozent erhoben, gefolgt von der Tschechischen Republik mit 83,9 Prozent, Großbritannien mit 83,5 Prozent und in Litauen bei 82,4 Prozent.

Alkaya zufolge müssen der türkische Tourismussektor jetzt umfangreiche Werbekampagnen, insbesondere in Europa, fahren, um das Blatt zu wenden. Insgesamt hinkte das Land bei den Einnahmen pro Tourist hinterher. Obschon die Türkei das sechst meistbesuchte Land der Welt sei.

„Eines der Hauptprobleme ist der Anstieg der All-Inclusive-Hotels, vor allem in Antalya. Die Touristen, die diese Hotels wählen, verbringen die meiste Zeit in der Hotelanlage, gehen aber nicht nach draußen. Dies führte zu geringerer Qualität im Service und einer geringeren Wahrnehmung des türkischen Tourismus im Ausland“, so Alkaya.

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