Flüchtlinge: Was Erdoğan und Charlie Hebdo gemeinsam haben

Das Satire-Magazin Charlie Hebdo steht wegen mehrerer Flüchtlings-Cartoons in der Kritik. Dem Magazin wird „Geschmacklosigkeit“ vorgeworfen. Doch Charlie Hebdo hält in den Karikaturen Europa ein Spiegel vors Gesicht und prangert die Heuchelei des Westens an. Ironischerweise deckt sich diese Haltung von Charlie Hebdo mit den Ansichten des türkischen Staats-Chefs Recep Tayyip Erdoğan.

Der türkische Staats-Chef Recep Tayyip Erdoğan auf einer Rad-Tour. (Screenshot)

Der türkische Staats-Chef Recep Tayyip Erdoğan auf einer Rad-Tour. (Screenshot)

Das Satire-Magazin Charlie Hebdo kritisiert die Heuchelei der europäischen Eliten in der Flüchtlingsfrage. (Screenshot)

Das Satire-Magazin Charlie Hebdo kritisiert die Heuchelei der europäischen Eliten in der Flüchtlingsfrage. (Screenshot)

Die neueste Ausgabe des Satire-Magazins Charlie Hebdo hat internationale Kritik nach sich gezogen. Charlie Hebdo hat sich in jener Ausgabe mit der Flüchtlings-Krise in Europa auseinandergesetzt.

Auf der ersten Karikatur ist der ertrunkene Aylan zu sehen. Über dem Bild steht „So nah am Ziel“. Von einer , von einer McDonald’s -Werbetafel lacht Ronald McDonald und bietet zwei Kindermenüs zum Preis von einem an. Das Cartoon trägt die Überschrift: „Willkommen, Flüchtlinge! So nah am Ziel“

Eine Karikatur trägt den Titel „Der Beweis, dass Europa christlich ist“ und zeigt Jesus, der auf der Oberfläche der Meeresoberfläche steht, während die Beine des ertrunkenen Aylan aus dem Meer herausragen. Das Satire-Magazin gibt den Hinweis, dass Christen auf dem Wasser laufen, während muslimische Kinder untergehen.

Auf einer weiteren Karikatur sieht man einen Franzosen im Sessel, der seine Füße auf einem Flüchtling abstützt. Charlie Hebdo will mit den Cartoons der europäischen Flüchtlings-Politik und schlussendlich die Gleichgültigkeit der Eliten gegenüber dem Schicksal der Flüchtlinge deutlich machen. Das Satire-Magazin übt mit den Karikaturen massive Kritik am Westen, der für das Leid der Flüchtlinge verantwortlich ist, und hält diesem einen Spiegel vors Gesicht.

Ironischerweise gibt es hier Parallelen zwischen dem Satire-Magazin Charlie Hebdo und dem türkischen Staats-Chef Recep Tayyip Erdoğan.

Erdoğan sagte im Juni 2015: „Derzeit haben wir zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Europa hat noch nicht mal 200.000 dieser Menschen aufgenommen. Wo sind eure Predigten über Menschenrechte geblieben? Ihr habt doch die Kraft, diese Menschen aufzunehmen. Solange diese Heuchelei andauert, wird der Weltfrieden bedroht bleiben. Wir scheuen uns nicht davor, pflichtgemäß auch unser letztes Brot mit unseren Geschwistern zu teilen. Doch diese Misere ist das Problem der gesamten Welt. Der Westen soll wissen, dass sein Führungszeugnis sowohl in der Ägypten-Frage als auch in Bezug auf die ausgebliebene humanitäre Hilfe für Syrien endgültig befleckt wurde.“

Die Flüchtlingsfrage reißt der professionellen Politik in den EU-Staaten die Maske vom Gesicht. In faktisch allen EU-Staaten beobachten wir schwere Ausfälle gegen Flüchtlinge und Asylanten. Man muss von der allgemeinen Verfassung der politischen Klasse in Europa schockiert sein. Denn die Mandatsträger überbieten sich mit barbarischem Verhalten. Man schreckt nicht einmal mehr vor wüsten Aktionen gegen konkrete Menschen zurück. Hinzu kommt, dass Flüchtlings-Boote im Mittelmeer von Marineeinheiten der EU abgeschossen werden.

Wo sind eigentlich die ganzen Moral-Apostel hin? Wohlgemerkt: Es sind nicht nur irgendwelche rechtsradikalen Randgruppen, die sich in den EU-Staaten schäbig verhalten. Es sind die honorigen Politiker, die im Wahlkampf von Vielfalt, Menschenrechten und Solidarität sprechen.

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