Türkischer Film „Sivas“ soll für den Oscar nominiert werden

Dem in Deutschland lebenden, türkischen Regisseur Kaan Müjdeci könnte bald der ganz große Wurf gelingen. Sein Debütfilm „Sivas“ ist bereits preisgekrönt. Geht es nach der Türkei, soll nun sogar ein Oscar folgen.

Bereits im September 2014 wurde der deutsch-türkische Regisseur Kaan Müjdeci für seinen Film „Sivas“ mit dem Spezialpreis der Jury beim Filmfestival Venedig ausgezeichnet. Jetzt soll auch Amerika auf seinen Erstling aufmerksam werden. Im Rahmen der 88. Academy Awards soll „Sivas“ für den besten ausländischen Film nominiert werden.

Nach Angaben des Leiters des Ausschusses für künstlerische Aktivitäten (SEK), Mehmet Güleryü, sei die Entscheidung von einer Auswahlkommission, bestehend aus Vertretern des Kultur und Tourismus Ministeriums und der Kino-Organisationen, getroffen worden. Insgesamt hätten es in diesem Jahr ganze 19 türkische Filme in die Auswahl geschafft. Ein absoluter Rekord. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Der Landes-Vorschlag wird dann der „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ (AMPAS) übermittelt. Aus den internationalen Vorschlagsfilmen wählt die AMPAS im Anschluss fünf Filme aus, die dann für einen Oscar nominiert werden. 

Der 34-jährige Müjdeci taucht ein in das ärmliche Leben eines türkischen Dorfes. Im Mittelpunkt steht der Junge Aslan, der den verletzten Kampfhund Sivas aufnimmt und ihn aufpäppelt. Als das Tier dann Kämpfe gewinnt, steigt Aslans Ansehen nicht nur bei seinen Mitschülern. Auch die Männer des Dorfes wollen plötzlich teilhaben an dem Ruhm von Aslan und Sivas und dem damit einhergehenden Respekt.

«Ich möchte mit dem Film eigentlich über die Männerwelt erzählen, und der Hund ist dafür ein Symbol», sagte der Regisseur im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Er sehe Parallelen im Verhalten der Männer weltweit. «Natürlich gibt es Unterschiede, aber ich meine vor allem das Auftreten. Zum Beispiel, wie sie ihre Körper trainieren und ihre Körper als Zeichen von Kraft und Macht präsentieren.»

Dafür findet er einprägsame Bilder. Wenn im Kampf zum Beispiel die muskulösen Körper der Hunde aufeinanderprallen, ist die rohe Gewalt zu spüren. Oder wenn Aslan mit seinem Hund im Dorf auftaucht und das Tier fast so groß ist wie das Kind selbst, strahlt der Junge doch eine ungeheure Präsenz aus. Die Szenen, in denen er sich inmitten seiner Gleichaltrigen so etwas wie eine Führungsrolle erarbeitet, gehören zu den intensivsten des Films.

Müjdeci ist dabei vor allem mit seinem Hauptdarsteller ein Glücksgriff gelungen: Der junge İzci trägt diesen Film scheinbar ohne Mühe. Sein Spiel wirkt natürlich und doch prägnant. Kess und ein bisschen vorlaut fordert er dann schließlich auch in der Männerwelt der Hundekämpfe seinen Platz ein.

Müjdeci, der mit seinem Bruder in Berlin auch eine Bar und einen Modeshop betreibt, spitzt die Geschichte dabei zwar nicht auf einen Konflikt zu, sondern bleibt eher in der Rolle des Beobachters. Und doch gelingt es ihm gleichzeitig, mit seiner Handkamera Nähe zu seinen Figuren zu schaffen. «Müjdeci» bedeutet übersetzt übrigens so viel wie «Überbringer einer guten Nachricht»…

Die deutsche Jury hat übrigens das Drama um die Frankfurter Auschwitz-Prozesse „Im Labyrinth des Schweigens“ vonn Regisseur Giulio Ricciarelli ins Rennen geshickt. Das gab die von German Films berufene Jury Ende August bekannt. Insgesamt hätten acht Filme zur Auswahl gestanden.

Die 88. Oscar-Verleihung findet am 28. Februar in Los Angeles statt.

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