Nihat Genç: PKK und türkische Regierung haben keine Legitimation mehr

Der türkische Kritiker Nihat Genç ist der Ansicht, dass die PKK „Selbstmord“ begeht. Die Organisation habe - genau wie die Regierung - jede Legitimation verwirkt. Schlussendlich wisse das Volk, dass die PKK eine Marionette des Westens sei, um die Türkei zu schwächen, so Genç. Deshalb werde es auch niemals zu einem Krieg zwischen Kurden und Türken kommen.

Der türkische Kolumnist Nihat Genç vergleicht die PKK mit einem drogenabhängigen Menschen. (Screenshot)

Der türkische Kolumnist Nihat Genç vergleicht die PKK mit einem drogenabhängigen Menschen. (Screenshot)

Der türkische Literaturwissenschaftler und Kolumnist Nihat Genç hat auf Oda TV eine Analyse zu den aktuellen Ausschreitungen in der Südost-Türkei und dem PKK-Problem verfasst.

Genç wörtlich:

„Weder die PKK noch die USA oder anderes Konstrukt hat die Macht mit dem Töten von Menschen und Bombenanschlägen, der Türkei ihren Boden streitig zu machen. Sie können lediglich die Türkei in ein lang anhaltendes Chaos stürzen und sich auf die Lauer legen.

Wenn der Mensch nur das machen würde, was ihm gefällt und Spaß macht, würden wir am Ende im Irrenhaus oder auf der Straße landen. Das Gehirn hat keine Schutzmechanismen gegenüber der Kokain- und Spielsucht. Das Gehirn eines Organisationsmitglieds [von ideologischen Gruppen] funktioniert ohne eigenen Willen und ohne Rechtsempfinden.

Sie wissen, dass sie mit ihren rohen Träumen der Türkei kein Stückchen Land entreißen können. Das sind lediglich die Taktiken einer Organisation, die den Menschen Schrecken einflössen will, denn ihnen bleibt keine andere Möglichkeit, als zu verhandeln.

Wenn der Staat sich für einen richtigen Krieg entscheiden würde, würden auch diese Taktiken außer Kraft gesetzt werden. Diese Organisation vertraut auf ihre Waffendepots, die sie im Zuge des Friedensprozesses angelegt hat. Sie setzt ihre Hoffnung auf die Kommunen, die sie im Osten des Landes kontrolliert.

Die Drohungen der PKK und ihrer liberalen Unterstützer sind wirkungslos. Das hat die PKK mittlerweile sehr gut begriffen.

Wenn das Gehirn sich nach Drogen, Glücksspielen und schönen Frauen sehnt, dann fordert es unverzüglich derartige Gelüste und scheinbaren Freuden. Es möchte sie sofort haben. In einer derartigen Verfassung befindet sich diese Organisation und ihre Mitglieder. Sie möchte im Südosten des Landes alles um jeden Preis besitzen.

Und diese Wünsche führen dazu, dass sie jeden moralischen Anstand verloren hat. Die PKK und ihre Mitglieder haben ihre Verwandten, ihre Väter, Mütter und ihre Ehre verkauft. Als die Amerikaner den Irak bombardiert haben, hat sich diese Organisation und ihre liberalen Unterstützer über den Tod der Araber gefreut, weil sie politischen Profit aus der Zerstörung des Iraks ziehen wollten. Doch aus dieser Bomben-Saat ist der IS entstanden. Nun befindet sich die PKK in einer Situation, in der ein jahrhundertelanger Krieg zwischen Kurden und Arabern ausgetragen wird.

Die PKK begeht Selbstmord. In der gesamten Menschheitsgeschichte fanden Befreiungskriege in Anlehnung an die verwurzelten und heimischen Kräfte statt. Es ist nicht die Waffenstärke, die hier für einen Sieh entscheidend ist, sondern die Moral und Ehre, die derartige Befreiungskämpfer in sich tragen müssen. Das fehlt der PKK. Sie vertraut auf die Unterstützung von Ausländern. Sie versteckt sich im Schatten ausländischer Kräfte, um in der Region das Sagen zu haben.

Keiner glaubt der PKK und ihren ausländischen Unterstützern ihre Märchen über Menschenrechte und Demokratie. Der PKK bleibt nur noch ihre Waffen, Bomben und Minen – und sogar diese sind US-amerikanische und deutsche Produkte.

Die HDP, PKK und die Liberalen haben alle Kriegs-Strategien der vergangenen 30 Jahre, die sie romantisiert haben, verloren. Die Anschläge dienen lediglich dazu, den Staat durch Zwang erneut an den Verhandlungstisch zu bringen. Und genau an dieser Stelle begehen sie einen erneuten Fehler. Denn die Regierung hat in den Augen der Menschen sowohl ihre Legitimation verloren. Auch ihr vertrauen die Menschen nicht mehr.

Die PKK wird ohne Zweifel den Krieg in die Städte bringen. Denn eine andere Möglichkeit bleibt ihr nicht mehr. Es wird zu Anschlägen kommen und Menschen werden sterben.

Doch diese Organisation hat gesehen, dass sie nicht die Fähigkeit hat, diesen ,Granitstein´ zu zerstören.

Der ,Granitstein´ steht für unseren Boden, auf dem wir leben. Dieser Stein spiegelt die weltweit einzigartige menschliche Kultur wieder, die dazu führt, dass trotz aller Provokationen die Menschen sich in diesem Land nicht kollektiv abschlachten.

Die Menschen auf diesem Boden tragen den Konflikt nicht auf die Straßen. Denn sie wissen, dass ihr Überleben und ihre Zukunft davon abhängt, ob sie ihre Hände gegen ihre Nachbarn erheben oder nicht. Unser Volk glaubt felsenfest daran, dass die PKK-Aktionen nicht das Ergebnis eines kurdischen Aufstands, sondern ein Spiel des Westens sind.“

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.