Schwarm Elyas M’Barek: Zwei Phänomene in einem Mann

Kreischende Mädchen gab es schon immer. Dass ein deutscher Film eine Generation um den Verstand bringt, scheint aber neu. «Fack Ju Göhte» hat das geschafft - und der Grund dafür, sagen zwei Forscherinnen, ist ziemlich attraktiv.

Vor etwa vier Jahren sagte Constantin-Chef Martin Moszkowicz eine glänzende Karriere für Elyas M’Barek voraus: Er sei für ihn «einer der nächsten Superstars», sagte der Filmproduzent. Wer noch an dieser Prognose gezweifelt haben sollte, könnte mal bei der Polizei in Nürnberg anrufen. Die kann ihm schildern, was dort am Donnerstagabend im Cinecitta-Kino los war. Von einem «sicherheitsbedenklichen Zustand» spricht die Polizei. Der Kinobetreiber habe die «Situation nicht mehr im Griff» gehabt.

Mehr als 3000 Fans – die meisten von ihnen Mädchen oder junge Frauen – waren nach Nürnberg gekommen, um vielleicht den Film «Fack Ju Göhte 2» zu sehen, auf jeden Fall aber Elyas M’Barek. 15 Mal mussten die Rettungskräfte eingreifen – und das bevor der 33-Jährige überhaupt aufgetaucht war.

«Die Polizei hat den Kinotourtermin hier abgebrochen, bevor wir überhaupt am Kino waren», schrieb der Schauspieler auf seiner Facebook-Seite. «Sind wohl schon einige umgekippt und es war zu voll.» Wo immer M’Barek in jüngster Zeit auftritt, spielen sich Szenen ab wie früher bei Boygroup-Konzerten, etwa von Tokio Hotel oder Take That.

Dass die Polizei im Kino anrücken muss, ist der vorläufige Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte wie sie selten geschrieben wird im deutschen Kino – vor allem in Zeiten, in denen die angeblich größten Stars der Jugend nicht mehr ganze Filme drehen, sondern Clips für YouTube.

Mehr als sieben Millionen Zuschauer haben Teil eins der Schulkomödie «Fack Ju Göhte» im Kino gesehen. Und wenn Teil zwei im bisherigen Tempo weitermacht, hat er seinen Vorgänger in drei, vier Wochen eingeholt.

Nach dem ersten Wochenende hatte der am 10. September gestartete Film, in dem M’Barek als Zeki Müller mit seinen Schülern auf Klassenfahrt nach Thailand fährt, schon mehr als zwei Millionen Fans ins Kino gelockt und mit fast 18 Millionen Euro so viel eingespielt wie noch nie zuvor ein deutscher Film zum Kinostart.

«Schule ist für Kinder und Jugendliche das große, stressbelastete Thema», sagt Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) in München. Schüler verbänden mit Schule viele Frusterlebnisse – und der Film gehe damit einfach humorvoll um. «Es ist im Prinzip eine grandiose Erneuerung der „Feuerzangenbowle“, nur deutlich grenzüberschreitender, und Kinder und Jugendliche lachen einfach auch gerne.»

Der Film sei sehr nahe an der Zielgruppe, meint auch die Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher von der Uni Hamburg. «Ehrlich gesagt glaube ich aber, dass der Hype nicht so um den Film geht, sondern um seinen Hauptdarsteller.» Sie bescheinigt M’Barek «Star-Qualitäten» bei der jugendlichen Zielgruppe, für die er mit seinen 33 Jahren eigentlich zu alt scheint: «Er kommt jugendlich rüber, ist sehr attraktiv, hat Humor.»

Entscheidend sei aber etwas Anderes: Schließlich verliebten sich junge Mädchen, bevor es dann irgendwann wirklich ernst wird mit den Jungs, oft in einen Star – oder eben in einen Lehrer. Mit M’Barek als Zeki Müller geht beides gleichzeitig. «Es verbinden sich zwei Phänomene.»

Maya Götz wird noch etwas fundamentaler, so die dpa: «Er verkörpert das aktuelle Ideal von Männlichkeit», sagt sie. Er vereine «traditionell männliche Werte» mit Selbstironie und Lässigkeit. So sei heute der ideale Mann. «Die Mädchen können sich vorstellen, schöne erotische Zeiten mit ihm zu verbringen und gleichzeitig einen lustigen Alltag zu haben.»

Eine große Rolle für den Mega-Erfolg des Films und seines Hauptdarstellers sehen beide Wissenschaftlerinnen auch in der Art der Kommunikation mit den Fans. «Der Aufbau und die Pflege eines Starkults läuft heute ganz klar über andere Medien als früher», sagt Götz. M’Barek steht beispielsweise in regem Austausch mit seinen fast 2,4 Millionen Facebook-Fans. «Die vermeintliche Nähe zu den Fans spielt eine Rolle», sagt Bleicher. Der «authentische Gesamteindruck» sei entscheidend.

Sorgen machen um die kreischenden Mädchen müsse man sich übrigens nicht, meint sie: «Es ist ein sehr altersabhängiges Phänomen, das sehr schnell wieder verschwindet. Dieser Kreischkult ist den Mädchen irgendwann peinlich und dann auch schnell wieder vorbei – hoffentlich zumindest.»

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