Kraftakt: Türkische Küstenwache rettet allein 2015 fast 54.000 Flüchtlinge aus dem Meer

Der seit vier Jahren tobende Bürgerkrieg in Syrien stellt auch die Türkei auf eine echte Belastungsprobe. Seit 2011 gab das Land 7,6 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 6,7 Milliarden Euro, für die Versorgung der in Scharen hereinströmenden Flüchtlinge aus. Auch auf See wird das Klima zusehends rauer. Die türkische Küstenwache rettete allein in diesem Jahr bislang 53.228 Menschen.

Der stellvertretende türkische Premier Numan Kurtulmuş wartete zum Ende der vergangenen Woche mit erschreckenden Zahlen zur Flüchtlingskrise auf. Rund 2,2 Millionen Menschen haben im Laufe der vergangenen vier Jahre Schutz in der Türkei gesucht. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier lobte im Rahmen seiner Visite das Engagement in der Türkei und stellte weitere Hilfen in Aussicht.

Die Türkei befindet sich derzeit an der Front der größten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Rund 900 Kilometer gemeinsame Grenze teilt sich das Land mit dem krisengeschüttelten Syrien. Von Beginn an verfolgte die Regierung eine Politik der offenen Tür. Mit Folgen: Wie Kurtulmuş am Freitag bei einem Regierungstreffen in Ankara mitteilte, gab die Türkei bislang 7,6 Milliarden US-Dollar aus, um der Flüchtlingskrise Herr zu werden. Das berichtet die Huffington Post.„Unsere Küstenwache rettete 53.228 Menschen, 274 starben“, so die Bilanz des Politikers allein für 2015. Erst Mitte September ertranken erneut mindestens 22 Flüchtlinge, darunter auch vier Kinder (mehr hier).

Außenminister Frank-Walter Steinmeier lobte den Nato-Partner am vergangenen Freitag bei einem Besuch in Ankara für die Aufnahme von annähernd zwei Millionen Menschen aus dem Nachbarland Syrien. Wichtig sei jetzt, ihnen eine «Rückkehr-Perspektive» zu ermöglichen. Damit soll verhindert werden, dass der Exodus nach Europa noch größer wird. Steinmeier sagte: «Wir brauchen die Zusammenarbeit mit der Türkei dringender denn je.»

Steinmeier kündigte außerdem an, dass Deutschland als amtierender Vorsitzender der sieben großen Industrienationen (G7) mit anderen Geberländern schnell über zusätzliche Hilfen reden werde. «Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir es nicht mehr bei Aufrufen belassen können.» Die EU-Kommission hatte bereits am Donnerstag angekündigt, der Türkei bis zu einer Milliarde Euro für die Aufnahme von Flüchtlingen zur Verfügung stellen (mehr hier).

Der türkische Außenminister Feridun Sinirlioglu forderte in der Flüchtlingskrise unterdessen eine faire «beidseitige Lastenteilung» zwischen der Türkei und der EU, so die dpa. Sein Land habe umgerechnet schon mehr als sechs Milliarden Euro ausgegeben. «Die Probleme können nicht gelöst werden, indem Barrikaden aufgebaut werden», sagte er. «Die Haltung Deutschlands könnte anderen Ländern als Beispiel dienen.»

Steinmeier hofft auch auf eine stärkere Mitwirkung der Türkei bei der Suche nach einer politischen Lösung des Syrien-Konflikts. «Die Lösung kann an der Türkei gar nicht vorbeigehen. Sie wird gebraucht. Ich bin sicher, dass die Türkei ihre Rolle verantwortlich wahrnehmen wird.»

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