Millionenschaden: PKK bedroht türkische Staudamm-Projekte

Die Terrororganisation PKK richtet offenbar Millionenschäden am Fluss Dicle an. Anschläge auf die Baustellen dortiger Staudamm-Projekte sollen Ankara geschätzte 730 Millionen US-Dollar kosten. Und die Bedrohungen nehmen kein Ende.

Wie der Vorsitzende der türkischen Energiearbeitergewerkschaft, Haci Bayram Tonbul, in dieser Woche bekannt gab, werde sich allein das Ilısu-Staudamm-Projekt aufgrund der Terroranschläge um zwei Jahre verzögern. Die umstrittene Anlage ist Teil des türkischen Südostanatolien-Projekts (GAP), das insgesamt 22 Anlagen umfasst, und befindet sich in der Nähe der Großstadt Batmann. Eigentlich sollten die Arbeiten dort noch in diesem Jahr abgeschlossen sein.

Tonbul zufolge würde die Verzögerung am Ilısu-Staudamm tägliche Kosten von nahezu einer Million US-Dollar verursachen, so ie türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Die Terroristen entführen Arbeiter und Ingenieure, zünden Baumaschinen an und legen Sprengstoff auf den DammStraßen, um den Bau der Staudämme zu blockieren“, so Tonbul weiter. Der Bau der Ilisu-Mardin- und Silvan-Diyarbakir-Dämme sei aufgrund der Sicherheitsprobleme in der Region mittlerweile zum Stillstand gekommen. Bereits 34 Regierungsbeamte seien wegen der Sicherheitsbedenken zurückgetreten, so Tonbul weiter. Nach wie vor würden die Terroristen Drohbriefe an die Arbeiter versenden.

Die zwei Staudammprojekte sollen künftig helfen, die immense Energienachfrage des Landes zu befriedigen. Völlig unumstritten sind sie allerdings nicht. So wird der Ilisu-Staudamm in der Türkei nicht nur den Strom für viele Haushalte des Landes liefern. Seine Existenz wird auch dazu führen, dass Dutzende Städte in den Fluten des Tigris versinken werden.

Unter den bedrohten Ortschaften befindet sich unter anderem auch die 12.000 Jahre alte antike Stadtfestung Hasankeyf in der türkischen Provinz Batman, so National Geographic. Der Damm drohe außerdem die mesopotamischen Sümpfe im Irak, rund 1.609 Kilometer stromabwärts, auszutrocknen. Sowohl das Leben von Mensch und Tier sei in dieser Region von der Sumpflandschaft abhängig.

Das 1,2 Milliarden-Euro teure Bauwerk ist Teil des türkischen Südostanatolien-Projekts (GAP). Im Rahmen dessen soll der Tigris kurz vor der Grenze zu Syrien und dem Irak im Südosten des Landes wie eine riesige Badewanne aufgestaut werden. Trotz zahlreicher Proteste hat die Türkei Anfang August 2006 mit dem Bau des Staudamms begonnen. Ein erster Anlauf war 2002 noch gescheitert. Zwar stoppten im Juli 2009 sowohl Deutschland als auch Österreich und die Schweiz ihre Exportrisikoversicherungen, weil die Auflagen für Umwelt- und Kulturgüterschutz nicht erfüllt worden waren. Doch die türkische Regierung ließ sich nicht beeirren, neue Kreditgeber wurden gefunden.

Nach bisherigem Stand wird Hasankeyf im Jahr 2016 zum größten Teil überflutet werden. Ebenso fatal wie der Verlust der historischen Stätte: Viele Bewohner der historischen Stadt können sich einen Umzug nach Yeni Hasankeyf jedoch nicht leisten. Viel zu niedrig sind die Entschädigungszahlungen der Regierung, die den Erwerb eines neuen Anwesens schier unmöglich machen.

Wie bedeutsam gerade Hasankeyf ist, stellte Grabungsleiter, Professor Olus Arik, schon 1998 heraus:

Die Gesetze verbieten – unter Strafandrohung im Falle einer Zuwiderhandlung – solche Kulturgüter zu zerstören. Das heißt: Wenn Ilısu gebaut wird, ist das einfach unehrlich. […] Hasankeyf ist die einzige anatolische Stadt aus dem Mittelalter, welche als Ganzes erhalten geblieben ist. Es gibt dort Ruinen verschiedenster Kulturen, Mausoleen, Minarette, Kirchen. Was sich genau darunter befindet, wissen wir nicht. Wir sollten aber wissen, was wir verlieren.

 

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