Kehrtwende: Erdoğan kann sich eine Übergangslösung mit Assad in Syrien vorstellen

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan schließt eine Übergangslösung für Syrien unter Einschluss des Machthabers Baschar al-Assad nun nicht mehr kategorisch aus. Er könne sich durchaus einen Übergangsprozess mit oder ohne Assad vorstellen, sagt Erdoğan am Donnerstag in Istanbul vor Journalisten. Vor dem Bürgerkrieg waren die beiden Staatsmänner enge Partner.

Erdoğan schränkte jedoch ein, niemand sehe eine Zukunft Syriens mit Assad. «Es ist nicht möglich, eine Person, einen Diktator zu akzeptieren, der den Tod von 300.000 bis 350.000 Bürgern verursacht hat», zitiert ihn die türkische Nachrichtenseite Turkish Weekly nach seinem Eid al-Adha-Gebet in Istanbul. Der Präsident kündigte neue, internationale Gespräche zur Syrienkrise an.

Bisher befürwortete die türkische Führung in Ankara den Sturz des einstigen engen Partners und unterstützt mit Saudi-Arabien syrische Rebellen im Bürgerkrieg gegen die Regierung in Damaskus. Doch eine Persona non grata scheint Assad für den Westen mittlerweile nicht mehr zu sein. So erklärte Bundeskanzlerin Merkel beim EU-Gipfel in Brüssel, mit Assad sprechen zu wollen. Sie folgte mit dieser Ankündigung auf US-Außenminister John Kerry, der kurz zuvor betont hatte, dass Assad zwar gehen, doch das nicht «am ersten Tag oder im ersten Monat» einer Übergangsphase geschehen müsse.

«Mit der Kehrtwende vermeidet die Türkei, die bisher kompromisslos die Ablösung Assads als Vorbedingung für eine Lösung in Syrien forderte, eine internationale Isolierung. Die Bemühungen um eine Beilegung des Syrien-Konflikts erhalten neuen Schwung, weil Russland seine Militärhilfe für Assad beträchtlich ausbaut und weil die EU wegen des Flüchtlingsansturms der vergangenen Wochen ein neues starkes Interesse an einer Lösung hat» so der Tagesspiegel.

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