Schuldzuweisungen nach Mekka-Massenpanik: Erdoğan verteidigt saudische Führung

Nach der Katastrophe bei der Mekka-Wallfahrt machen sich die Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran einander Vorwürfe. Hunderttausende setzen ihre Pilgerreise mit der symbolischen Teufel-Steinigung fort.

Nach der tödlichen Massenpanik bei der islamischen Wallfahrt nach Mekka schieben sich Saudi-Arabien und der Iran gegenseitig die Schuld zu. Die saudische Presse machte am Freitag iranische Pilger für die Katastrophe mit mehr als 700 Toten verantwortlich. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei erklärte dagegen, «schlechte Koordinierung und unüberlegtes Handeln» der saudischen Behörden hätten das Unglück verursacht.

Das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran sind Erzrivalen in der Region. Sie unterstützen in den Bürgerkriegen in Syrien und im Jemen jeweils unterschiedliche Konfliktparteien. Saudi-Arabien lehnt zudem das Atomabkommen mit dem Iran ab.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan verteidigte die saudische Führung. Den Vorwurf, es habe Fehler bei der Organisation gegeben, finde er nicht richtig, sagte Erdoğan vor Journalisten in Istanbul. Die Türkei und Saudi-Arabien sind enge Verbündete. Sie unterstützen unter anderem gemeinsam Rebellen im syrischen Bürgerkrieg, die gegen Machthaber Baschar al-Assad kämpfen.

Die saudische Nachrichtenseite Al-Sabq meldete am Freitag, eine große Gruppe von Iranern sei entgegen der Vorgaben in eine falsche Richtung gelaufen und dort mit anderen Pilgern zusammengestoßen. Sie berief sich dabei auf nicht näher genannte Augenzeugen.

Das Unglück war die schlimmste Katastrophe bei einer Mekka-Wallfahrt seit 25 Jahren. Unter den Toten waren auch mehr als 130 Iraner. Die saudische Regierung müsse für das Unglück die Verantwortung übernehmen, sagte Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei. In Teheran kam es nach dem Freitagsgebet zu Demonstrationen. «Tod der saudischen Dynastie», schrien wütende Demonstranten. Beim Freitagsgebet forderte der Vorprediger sogar eine Anklage des saudischen Regimes vor dem Internationalen Strafgerichtshof.

Die genaue Ursache der Katastrophe blieb zunächst weiter unklar. Nach offiziellen Angaben kam es am Donnerstagmorgen an einer Straßenkreuzung in dem Ort Mina bei Mekka zu einem Stau von Pilgern, der eine Massenpanik auslöste. Dramatische Bilder eines Amateurvideos zeigten, wie Dutzende leblose Körper übereinanderlagen und andere Gläubige einklemmten. Mehr als 860 Menschen wurden verletzt.

Der saudische Gesundheitsminister Khaled al-Falih hatte Pilgern schon am Donnerstag vorgeworfen, sie hätten zeitliche Vorgaben missachtet. Um den Massenstrom der Gläubigen in Mekka zu steuern, gibt es für Pilgergruppen eigentlich einen festen Zeitplan für den fünftägigen Hadsch. Die pakistanische Internetseite Dawn zitierte hingegen einen Pilger, der die saudische Polizei beschuldigte, Ein- und Ausgänge zu einem Lager mit Zelten geschlossen zu haben.

Nach der Katastrophe steigt auch der Druck auf das saudische Königshaus und seinen Herrscher König Salman, der im Frühjahr den Thron bestiegen hat. Es war bereits das zweite Unglück bei der diesjährigen Wallfahrt. Kurz vor Beginn des Hadsch war bei einem Unwetter ein Kran auf die Große Moschee in Mekka gestürzt. Mehr als 100 Gläubige starben. Salman ordnete jetzt an, die Sicherheitskonzepte für die Wallfahrt zu überprüfen.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani, derzeit in New York für die UN-Versammlung, rief drei Trauertage aus. Außerdem bildete er einen Krisenstab. Der soll die Leichen zurück in den Iran bringen und sich um die Familien der Opfer kümmern. Außerdem forderte Ruhani von der saudischen Seite, Maßnahmen zu ergreifen, damit solche Tragödien bei einer Wallfahrt nicht wieder vorkommen.

Hunderttausende setzten am Freitag ihre Pilgerreise mit der symbolischen Steinigung des Teufels fort, so die dpa. An einer fünfstöckigen Fußgängerbrücke warfen sie Steine auf Säulen, die das Böse symbolisieren. Der Pilgerstrom laufe reibungslos, meldete der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija.

In diesem Jahr sind mehr als zwei Millionen Muslime nach Mekka gepilgert, darunter 1,4 Millionen Gläubige aus anderen Ländern.

Mehr zum Thema:

Saudischer Minister macht Pilger für Unglück in Mekka verantwortlich
Mindestens 717 Tote bei Pilgerfahrt in Mekka
Drama in Mekka: Vier türkische Staatsbürger getötet

 

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.