ifo: Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund wird bis 2030 auf etwa 24,4 Prozent wachsen

Die Zuwanderung wird die deutsche Gesellschaft langsamer schrumpfen und altern lassen. Und auch ohne weitere Zuwanderung würde der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bis 2030 automatisch auf etwa 24,4 Prozent wachsen, von 20,5 Prozent im Jahre 2013. Mit Zuwanderung wird er 2030 sogar fast 30 Prozent erreichen.

Die zukünftige Entwicklung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund wurde erstmals in einer Studie des ifo Instituts Dresden für die Friedrich-Ebert Stiftung berechnet. Sie wurde vor den aktuell hohen Zuwanderungszahlen von Flüchtlingen fertiggestellt und am Montag in Berlin präsentiert. „Deutschland hat die Zahl von ausländischen Studierenden in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Wenn es uns gelingt, diese Gruppe nach Studienabschluss zu halten, ist das auch ein Gewinn für die deutschen Steuer- und Sozialsysteme“, sagt Marcel Thum vom ifo Institut Dresden in einer den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegenden Mitteilung.

Ohne moderate Netto-Zuwanderung wäre die Bevölkerungszahl im Jahr 2030 im Vergleich zu 2013 um 5,3 Millionen Menschen geringer und würde damit auf rund 75,5 Millionen schrumpfen. Menschen mit Migrationshintergrund leben häufiger in Städten, vor allem in Westdeutschland und Berlin, weisen höhere Geburtenraten in der ersten Generation auf und zeigen auch andere Erwerbsmuster am Arbeitsmarkt. Sie verdienen deutlich weniger als die Einheimischen und haben eine andere Qualifikationsstruktur: „Menschen mit Migrationshintergrund haben zwar häufiger Abitur als die Einheimischen, jedoch hat ein größerer Anteil von ihnen auch keinen Schulabschluss“, sagt Ko-Autor Alexander Kemnitz. „Auch ist der Anteil jener mit mittlerer Qualifikation deutlich kleiner.“

Die Gruppe der Zuwanderer wird immer unterschiedlicher. „Früher konzentrierten sie sich auf wenige Herkunftsländer, das fächert sich immer weiter auf. Vor 15 Jahren stellten die vier wichtigsten Herkunftsländer mehr als die Hälfte der Ausländer in Westdeutschland, heute muss man dafür schon auf die acht größten Herkunftsländer zurückgreifen“, erläutert Thum. Im Jahr 2013 kamen rund 64 Prozent der Zuzüge aus der EU, 13 Prozent aus dem restlichen Europa und 23 Prozent aus dem Rest der Welt.

Besondere Herausforderungen kommen auf das Gesundheits- und Pflegesystem zu. Der Anteil der pflegebedürftigen Menschen mit Migrationshintergrund steigt von 9,8 Prozent 2013 auf 13,6 Prozent 2030. „Diese Personen benötigen vermehrt eine ihrem kulturellen Hintergrund entsprechende Unterstützung“, sagt Mitautorin Gesine Marquardt von der TU Dresden.

Die demografische Entwicklung ist einer der Megatrends unserer Gesellschaft. „Die Studie regt dazu an, in den gesellschaftlichen und politischen Debatten stärker als bisher die ethnische Vielfalt der Bevölkerung und Fragen der Zuwanderungspolitik zu berücksichtigen“, sagt Günther Schultze, FES-Verantwortlicher für die Studie.

Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit Gesine Marquardt und Alexander Kemnitz von der TU Dresden. Sie ist Teil des FES-Projektes „gute gesellschaft – soziale demokratie 2017plus“.

Die Studie steht unter folgendem Link zur Verfügung:
http://library.fes.de/pdf-files/wiso/11612.pdf

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