Hohe Sicherheitsstufe für den «Keynote-Speaker»: Salman Rushdie in Frankfurt

Journalisten, die sich für die Eröffnungs-Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse anmelden wollten, waren überrascht: Bei der Anmeldung musste eine «Zuverlässigkeitsüberprüfung» mit zahlreichen Angaben einschließlich der Personalausweisnummer ausgefüllt werden. Inzwischen ist der Grund klar: Salman Rushdie wurde als «Keynote-Speaker» (Gastredner) bei der Auftakt-Pressekonferenz am 13. Oktober angekündigt.

Scharf kritisiert Salman Rushdie die, wie er es nennt, „Kultur der Gekränktheit“. (Foto: Flickr/ Salman Rushdie by Alexander Baxevanis CC BY 2.0)

Scharf kritisiert Salman Rushdie die, wie er es nennt, „Kultur der Gekränktheit“. (Foto: Flickr/ Salman Rushdie by Alexander Baxevanis CC BY 2.0)

Der indisch-britische Autor war 1989 mit einer «Fatwa» belegt worden. Radikale Muslime hatten seinen Roman «Die satanischen Verse» als gotteslästerlich empfunden und ein Todesurteil über ihn verhängt.

«Seine Biographie und sein literarisches Werk verleihen ihm eine gewichtige Stimme in der weltweiten Diskussion über Meinungsfreiheit im Publizieren», begründete Buchmessen-Direktor Juergen Boos die Einladung, so die dpa. Meinungsfreiheit ist eines der Schwerpunktthemen der diesjährigen Buchmesse.

Kurz nachdem als Reaktion auf den anti-islamischem Schmähfilm „Die Unschuld der Muslime“ sein Kopfgeld im Jahr 2012 auf 3,3 Millionen Dollar erhöht wurde, meldet sich der britische Autor selbst zu Wort. Er ist sich sicher, wäre die Fatwa wegen seines Buches „Die satanischen Verse“ erstmals in Zeiten Sozialer Netzwerke ausgesprochen worden, hätte das sein Leben noch massiver bedroht.

Salman Rushdie, der im Zuge der Veröffentlichung der „Satanischen Verse“ 1988 viele Jahre im Untergrund verbringen musste, beschrieb die damals gegen ihn geführte Kampagne bereits als „sehr effizient und sehr international“, obschon damals nur Telefone und Faxgeräte zur Verfügung standen. Das berichtete die türkische Tageszeitung Hürriyet.

Weder Email, noch Textnachrichten, kein Facebook, Twitter und  Internet hätten zur Zeit des Mordaufrufs des iranischen Ayatollah Khomeini zur Verfügung gestanden. Genau das, da sei er sich heute sicher, hätte die Angriffe auf ihn verzögert. Mittlerweile ist das allerdings anders: Wenn jeder alles sofort über einen anderen wissen könnte, so Rushdie, dann wäre eine Mobilisierung der Massen gegen das Buch mit noch größerem Tempo möglich und wäre damit viel gefährlicher.

Scharf kritisierte der Autor auch die, wie er es nennt, „Kultur der Gekränktheit“. Seiner Ansicht nach sei es völlig absurd und bedrohe zudem die Redefreiheit, wenn Menschen das Verbot eines Werkes forderten, nur weil andere sich darüber ärgern würden. Die Idee, dass wir fordern könnten in einer Welt zu leben, in der nichts niemanden beleidigt, sei absurd, so der 65-Jährige. Diese Kultur zeige sich jedoch nicht nur islamischen Radikalen, sondern überall auf der Welt und würde als Argument vorgebracht, um andere zu attackieren. Dem, so sein Appell, müsse man widerstehen. Sonst könnte man am Ende etwas sehr wertvolles einbüßen: Die Meinungsfreiheit, die nicht so leicht errungen wurde. Er selbst habe das in den letzten Jahrzehnten jedenfalls versucht, Angst und Rachegedanken auszublenden und einfach der Autor zu sein, der er nunmal ist.

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