Russland informierte Türkei über Luftschläge in Syrien

Russland hat die Türkei offenbar über den Luftangriff in Syrien am 30. September informiert. Das zumindest behauptet ein Mitarbeiter der russischen Botschaft in Ankara. Details zur Militäroperation habe die türkische Regierung allerdings nicht erfahren. Unklar bleibt auch, wann die Benachrichtigung erfolgte.

Lawrow stellte erneut heraus, dass Russland auf Bitten von Syriens Staatschef Baschar al-Assad eingegriffen hätte. (Foto: Flickr/ Russian Fighters by kuhnmi CC BY 2.0)

Lawrow stellte erneut heraus, dass Russland auf Bitten von Syriens Staatschef Baschar al-Assad eingegriffen hätte. (Foto: Flickr/ Russian Fighters by kuhnmi CC BY 2.0)

Am Mittwoch haben russische Kampfjets erstmals Ziele in Syrien bombardiert. Darüber wurde auch die Türkei informiert. Das stellten russische Vertreter in Ankara klar. Unklar scheint allerdings, ob Ankara wie die USA bereits im Vorfeld davon wusste. Auch Außenminister Sergej Lawrow meldete sich mittlerweile zu Wort und wies Zweifel an den Zielen der russischen Luftangriffe in Syrien zurück.

Wir haben die türkischen Behörden über die heutige militärische Operation informiert“, so der Sprecher der russischen Botschaft in Ankara, Igor Mityakov, gegenüber der türkischen Zeitung Hürriyet. Die Benachrichtigung sei durch die Botschaft in Ankara erfolgt. Auskunft darüber, ob die Bekanntmachung vor den Luftangriffen erfolgte und ob Ankara über die genauen Ziele der Operation informiert worden sei, gab Mityakov jedoch nicht, so das Blatt weiter.

Dem Sprecher zufolge sei die Nachricht an die türkische Regierung nach dem Prinzip der allgemeinen Information ergangen und habe keine Einzelheiten der Operation enthalte. Zwischen den beiden Staaten sei eine Militärkommission eingerichtet worden, um weitere technische Informationen auszutauschen. Mityakov verwies wiederum auf die Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums Erklärung, wonach der Angriff der Infrastruktur der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegolten haben.

Unterdessen versucht auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow Zweifel an den Zielen der russischen Luftangriffe in Syrien zurückzuweisen, so ABC News. Die „Gerüchte, wonach  es sich bei den Zielen der Luftangriffe nicht um Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt habe, seien „unbegründet, so Lawrow am Donnerstag nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry in New York. Darüber hinaus gebe auch „keine Hinweise darauf, dass bei den Angriffen Zivilisten getötet worden seien.

Lawrow stellte erneut heraus, dass Russland auf Bitten von Syriens Staatschef Baschar al-Assad eingegriffen hätte. Es gehe dabei „ausschließlich um den Kampf gegen den IS und „andere Terrorgruppen, hieß es in der Stellungnahme, die auch vom Außenministerium in Moskau verbreitet wurde.

Russlands will in Syrien einen politischen und militärischen Kompromiss finden, um das Land mit seinem machtpolitischen Wechselspiel wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die großen Verlierer sind die USA und die Türkei (mehr hier).

Die Verlegung russischer Kampflugzeuge und der Aufbau der dafür notwendigen Infrastruktur ist ein Warnsignal an den Westen, allen voran an die USA und die Türkei. Die Einrichtung einer „no-fly-zone“ über Schutzzonen, wie von der Türkei gefordert, wird mit der Präsenz russischer Kampfflugzeuge in Syrien ohne Zustimmung Russlands nicht durchzusetzen sein. Die Vorstellung der türkischen Regierung, gleich zwei Vorteile zu erlangen, wird sich mit einer russischen Präsenz in Syrien nicht so leicht bewerkstelligen lassen. Nach türkischen Vorstellungen sollen die syrischen Flüchtlinge im türkisch-syrischen Grenzgebiet in jenem syrischen Grenzsteifen zur Türkei ausgelagert werden, den die Kurden für sich beanspruchen. Faktum ist, die militärische Präsenz Russlands in der Region und die geschickte Diplomatie haben das politische Kräfteverhältnis in der Region bereits jetzt nachhaltig verändert. An ein russisches Ausstiegsszenario mag derzeit niemand glauben, handelt es sich doch um eine langfristig geopolitische Neuordnung des Raumes.

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