Ahmet Davutoğlu: Russland greift Rebellen an, um Assad zu stärken

Der türkische Premier Ahmet Davutoğlu hat während seiner Rückreise von der UN-Vollversammlung in New York schwere Vorwürfe gegen Russland erhoben. Die russische Luftwaffe soll in Syrien gemäßigte Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) angegriffen haben. Russland unterstütze damit das Regime von Bashar al-Assad.

Premier Davutoğlu äußerte sich am Freitag im Flugzeug von den USA in die Türkei gegenüber Journalisten. Er wies die vehemente Behauptung Russlands, nur Ziele der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu bombardieren, zurück. Vielmehr soll Russland FSA-Stellungen im Visier. Damit spiele der Kreml nicht nur Assad in die Hände, sondern auch der Terrormiliz.

„Das Ergebnis ist besorgniserregend“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Davutoğlu. Der Vorgang habe sich völlig gegen die Positionen der Freien Syrischen Armee (FSA) gerichtet. Diese wird vom Westen unterstützt. „Dies ist eindeutig eine Unterstützung des syrischen Regimes, das am Rande des Zusammenbruchs steht. Ich glaube nicht, dass es von Vorteil ist, die gemäßigte Opposition zu zerstören.

Russland und die Türkei sind bereits seit Ausbruch des Konflikts in Syrien im Jahr 2011 uneins über die Lösung der Misere. Während Ankara bis vor kurzem entschieden den Sturz Assads forderte, gilt Moskau nach wie vor als einer seiner wichtigsten Unterstützer (mehr hier).

Davutoğlu habe Assad nun nicht nur Unterstützung durch den Iran auf dem Boden, sondern durch Russland jetzt auch in der Luft. „Und bis jetzt waren es Russland und Iran, die sich gegen die Notwendigkeit einer Intervention von außen in Syrien aussprachen“, so der Politiker weiter.

Die Türkei war zunächst vorsichtig gegenüber einem harten Vorgehen gegen den IS. Eine Rolle spielten hier nicht zuletzt 49 türkische Geiseln, die sich in den Händen der Terroristen befanden (mehr hier). Diese Blatt hat sich mittlerweile jedoch gedreht. Auch die Türkei flog bereits Luftschläge in Syrien (mehr hier).

Nach Ansicht von Davutoğlu spiele die aktuelle Taktik der Russen nun aber auch dem Islamischen Staat in die Hände. Dem Premierminister zufolge sei Russlands militärische Unterstützung für das Assad-Regime kein Geheimnis gewesen. Er verwies auf die russischen Kriegsschiffe, die in den vergangenen Wochen durch den Bosporus in Istanbul gefahren seien. Was diese an Bord gehabt hätten und wohin sie unterwegs waren, habe jeder gewusst, sagte Davutoğlu.

Russlands Luftangriffe in Syrien kamen nur eine Woche, nachdem Präsident Recep Tayyip Erdoğan in Moskau gemeinsam mit Präsident Wladimir Putin an der Eröffnung einer neuen Moschee teilgenommen hatte. Dem Blatt zufolge sei bis dato noch unklar, ob Putin dem türkischen Präsidenten eine Vorwarnung der russischen Pläne für die Luftangriffe mit auf den Weg gegeben haben könnte.

Laut Davutoğlu sei Russland immer noch nicht einen vollständigen Bericht darüber schuldig, wo die Angriffe stattgefunden hätten.

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