Auf Sinti und Roma „einschlagen“ ist Normalität in Europa

Das Schicksal der Sinti und Roma in Europa während des Dritten Reichs wurde bis zum heutigen Tage in Gesamteuropa nicht ausreichend aufgearbeitet. Bis Ende der 1970er Jahre gab man diesen Menschen sogar die Schuld an ihrer eigenen Ermordung. Das Wort „Zigeuner“ stammt aus dem Nationalsozialismus und findet trotzdem noch Verwendung.

Eine deutsche Sinti-Familie um 1933. (Screenshot)

Eine deutsche Sinti-Familie um 1933. (Screenshot)

Der Historiker Wolfgang Benz sagt, dass den Sinti und Roma nach dem Zweiten Weltkrieg eine Lobby gefehlt hat. Deshalb konnten sie weder ihre Rechte einfordern, noch ihre Erfahrungen im Dritten Reich öffentlichkeitswirksam vortragen. Bis Ende der 1970er Jahre „hielt man sie sogar selbst für selbst schuld an dem, was passiert ist“. „Sie wurden als asoziale Menschen betrachtet, die sich nicht anpassen konnten. Es hieß, sie seien an ein geordnetes Leben nicht zu gewöhnen – und ihre Ermordung im KZ kein rassistisches Verbrechen, sondern quasi Kriminalitätsprävention“, sagt Benz in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung.

Benz wörtlich: „Sinti und Roma haben immer am Rande der Gesellschaft gelebt, auch wegen ihres Aussehens wurden sie als Fremde wahrgenommen. Man sagte ihnen nach, sie wollten keine anständige Arbeit und keinen festen Wohnsitz – dass man ihnen beides verwehrte, kehrte man unter den Tisch.“

Während des Dritten Reichs wurden etwa 500.000 Sinti und Roma von den europäischen Nazis getötet. In Deutschland und Europa müssen noch heutzutage zahlreiche Sinti und Roma ihre Identität verbergen, wenn sie sich ihre Existenz sichern wollen. Der derzeitige französische Premier Manuel Valls sagte im Jahr 2013 in seiner Position als Innenminister, dass Frankreich alle Roma aus dem Land jagen müsse. Konsequenzen gab es für diese Aussagen nicht. Wie tief die Vorurteile – wenn nicht der Hass – gegen diese verwurzelt sind, zeigt ein Vorfall, das sich während im Dezember 2014 ereignet hat.

In der französischen Gemeinde Champlan starb ein Baby, welches aus einer Roma-Familie stammt. Das zweieinhalb Jahre alte Mädchen sollte beerdigt werden, doch die Einwohner – einschließlich der Bürgermeister Christian Leclerc – der Stadt verwehrten der Familie das Begräbnis aus rein rassistischen Gründen, die sie auch offen artikulierten. Der Vorfall löste zwar Empörung aus, doch das Baby musste schlussendlich auf dem Friedhof von Wissous begraben werden. Wissous liegt sieben Kilometer entfernt von Champlan.

Der Vorfall ereignete sich während der Weihnachtszeit – die Zeit, in der Jesus Christus geboren wurde. Die christlichen Einwohner von Champlan, zeigten noch nicht mal während dieser heiligen Zeit des Christentums ein bisschen Menschlichkeit – sogar im Tod. Doch darüber, was über den Tod hinaus passieren wird, haben Menschen wie die Einwohner von Champlan keine Macht mehr. Dann nämlich liegt das verstorbene Baby für alle Zeiten in den Armen des Allmächtigen und kann wieder aufatmen.

Endlich beim Schöpfer, endlich in Sicherheit, endlich frei!

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