„Vater der Flüchtlinge“: Erdoğan wirft EU erneut Heuchelei vor

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan macht in einem Interview deutlich: die Türkei wird keine Flüchtlinge für die EU internieren. Die EU sollte nicht versuchen, den Zustrom zu stoppen, sondern die nötigen Kapazitäten für die Aufnahme aufzubauen. Zuvor hatte der 61-Jährige die Aufnahme von Flüchtlingen als „religiöse Pflicht“ umschrieben und auf die Sure „Die Versammlung“ hingewiesen.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan schließt Verhandlungen mit der EU über die Flüchtlinge aus. (Screenshot)

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan schließt Verhandlungen mit der EU über die Flüchtlinge aus. (Screenshot)

Erdoğan lehnt Verhandlungen über Flüchtlinge ab

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan hat den EU-Vorschlag zur Umfunktionierung der Türkei zu einem „Hot-Spot“ für Flüchtlinge kategorisch abgelehnt. Das sagte er in einem Fernsehinterview mit Al Jazeera. Die EU plant, sich nach Gutdünken Länder auszusuchen, in denen die Flüchtlinge regelrecht interniert werden, um den Zustrom nach Europa zu unterbinden. Erdoğan ist der Ansicht, dass die Situation der Flüchtlinge nicht verhandelt werden könne und dürfe. Stattdessen verlangt er, dass die EU mehr Flüchtlinge aufnimmt und es eine gerechte Lastenverteilung per Quotenregelung gibt.

Das Nachrichtenportal sondakika.com zitiert den Staatschef:

Wir haben die Menschen aus reiner Menschlichkeit aufgenommen. Die Europäer sollten dies auch aus reiner Menschlichkeit tun. Denn diese Menschen kämpfen um ihr Leben. Wir haben die Menschen völlig unabhängig von ihrer Religion, Rasse oder Sprache aufgenommen. Die Europäer sagen: ,Die Flüchtlinge sollen verschwinden. Sie sollen in die Türkei gehen und die gesamte Last soll die Türkei tragen‘. Was ist das für ein Verständnis? Wir tun schon alles, was wir können und nach Angaben der UN haben wir weltweit nicht nur die meisten Flüchtlinge aufgenommen, sondern verfügen auch über die besten Flüchtlingsunterkünfte. Wissen sie, ich denke, dass das Grundproblem an der Mentalität der Europäer liegt. Doch diese Mentalität steht im Widerspruch zu den universellen Menschenrechten. Sie reden durchweg über Menschenrechte und tun immer das Gegenteil. Das ist pure Heuchelei. Das sehen wir nun ganz klar und deutlich. Kurzum: Die Europäer müssen genau das machen, was wir auch gemacht haben. Verhandlungen über das Schicksal dieser Menschen wird es nicht geben.“

Erdoğan hatte zuvor gesagt, dass die Türkei unter AKP eine werteorientierte Politik verfolge, in dessen Zentrum der Mensch stehe. Es sei eine religiöse Pflicht, die Verfolgten und Schwachen aufzunehmen. Die aufgenommenen Menschen seien von Gott in die Obhut des türkischen Volkes gegeben worden. Die EU attackiere die Türkei und werfe ihr unsägliche Sachen vor, doch die Türkei lasse ihre Taten für sich sprechen. „Gott entsendet diese Menschen in unsere Obhut. Es ist egal, was andere Länder in dieser Frage machen. Es mag sein, dass einige dieser Staaten diese Menschen sterben lassen oder sie nicht haben wollen. Doch wir haben die Pflicht, nach den Vorgaben unseres Glaubens und unserer Geschichte, alle Bürden auf uns zu nehmen“, so der Staatschef.

Erdoğan wies in seiner Kritik gegen die EU bemerkenswerterweise auf die Koran-Sure „Die Versammlung (Al-Haschr)“ hin, die sich direkt mit der Flüchtlings-Frage beschäftigt. Dort heißt es: „Hast du nicht die beobachtet, die Heuchler sind? Sie sprechen: «Wenn ihr vertrieben werdet, so werden wir sicherlich mit euch ziehen, und wir werden nie jemandem gegen euch gehorchen; und wenn ihr angegriffen werdet, so werden wir euch sicherlich helfen.» Doch Gott ist Zeuge, daß sie gewißlich Lügner sind. Wenn sie vertrieben werden, sie würden nie mit ihnen ausziehen; und wenn sie angegriffen werden, sie würden ihnen niemals helfen. Und helfen sie ihnen schon, so werden sie sicherlich den Rücken wenden; und dann sollen sie (selbst) keine Hilfe finden.“

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