Türkei: Die Scharfmacher der AKP und HDP profitieren vom Krieg

Während in der Türkei die AKP und HDP sich weiter um die Wählerstimmen zanken, ereignen sich im Land Familientragödien. So erging es auch den Familien von Rıdvan Ipek und Recep Beycur. Rıdvan und Recep sind zusammen aufgewachsen und waren enge Freunde. Rıdvan ging zur PKK und Recep zum Militär. Beide starben Ende August bei Zusammenstößen. Nun liegen sie Seite an Seite auf demselben Friedhof.

Die türkischen Bürger müssen im aktuellen Konflikt ausnahmlos alle Parteien in Frage stellen. (Foto: Flickr/ Candle by Tom Danita CC BY 2.0)

Die türkischen Bürger müssen im aktuellen Konflikt ausnahmlos alle Parteien in Frage stellen. (Foto: Flickr/ Candle by Tom Danita CC BY 2.0)

Die Parteien befinden sich im Wahlkampf und lassen keine Gelegenheit aus, um durch Stimmungsmache gegen die politische Gegner an die Stimmen der Bürger heranzukommen. Über die Regierungspartei AKP oder die HDP gibt es gegensätzliche und widersprüchliche Meinungen. Doch vom aktuellen Konflikt in der Türkei, versuchen beide Parteien den größtmöglichen Vorteil zu erlangen. Nur wenige Tage nach dem Anschlag von Suruç feierte der HDP-Abgeordnete Sirri Süreyya Önder die Hochzeit seiner Tochter im prunkvollen osmanischen Küçüksu-Palast am Bosporus. Währenddessen besuchten die Claqueure der AKP in regelmäßigen Abständen den Präsidentenpalast Beştepe, um ganz besonders nah am Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu sein.

Beide Parteien geben sich volksnah und beide Parteien profitieren von den Zusammenstößen in der Türkei. Während die eine Seite- in dem Fall die AKP – mit Kundgebungen „gegen den Terrorismus“ punkten will, flüchtet sich die HDP in die Opferrolle und spielt die Partei der Unnachgiebigen, die aus reinem Idealismus heraus, sich angeblich für das Volk einsetzt.

Die AKP und HDP haben den Zugang zur Realität verloren. Doch real war das Leben von Rıdvan Ipek und Recep Beycur. Die beiden jungen Menschen stammen aus demselben Dorf, sind zusammen aufgewachsen, waren verwandt und befreundet, berichtet Timeturk. Recep ging zum Militär und Rıdvan schloss sich dem bewaffneten Flügel der PKK an. Beide starben im Monat im August 2015 bei Zusammenstößen.

Beide liegen nun Seite an Seite auf einem Friedhof in der Stadt Erzurum. Die Väter der Getöteten nahmen die Begräbnisse gemeinsam vor. Die Beileidsbekundungen wurden gemeinsam entgegengenommen. Die Gebete wurden gemeinsam durchgeführt. Während die Eliten der AKP und HDP sich wie Wildhunde – anders kann man es nicht mehr sagen – um die Stimmzettel der Bürger zanken, gibt es eine bittere Realität, mit der die türkischen und kurdischen Familien sich täglich auseinandersetzen müssen, nämlich der unwiederbringliche Verlust der Allerliebsten. Was übrig bleibt ist Staub und Schatten.

Doch das Allerschlimmste steht den Familien noch bevor. Wenn die AKP und HDP sich an den Verhandlungstisch setzen und urplötzlich wieder von Frieden und Kooperation reden, wird den Bürgern klar werden, wie sinnlos der Tod ihrer Brüder, Väter und Söhne gewesen ist.

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