Salman Rushdie in Frankfurt: Iran droht mit Boykott der Buchmesse

Der Iran hat damit gedroht, die Frankfurter Buchmesse in der nächsten Woche zu boykottieren. Der Grund: Die Veranstalter haben Salman Rushdie als Gastredner eingeladen. Der indisch-britische Autor war 1989 mit einer «Fatwa» belegt worden.

Der heute in den Vereinigten Staaten lebende Rushdie gehört zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Literatur. Der iranischen Führung gilt er jedoch fast 30 Jahre nach Khomeinis Fatwa noch immer als „verhasster Apostat“. Komme er zur Frankfurter Buchmesse vom 14. bis 18. Oktober, bleibe der Iran der Veranstaltung fern, so die jüngste Drohung.

Der stellvertretender Kulturminister des Irans, Abbas Salehi, erklärte am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur ISNA, dass man gegen die Anwesenheit Rushdies auf der Frankfurter Messe sei.

„Als wir von der Anwesenheit Salman Rushdies auf der Buchmesse in Frankfurt erfuhren, schickten wir einen Protestbrief und riefen andere muslimische Länder dazu auf, es uns gleich zu tun“, zitiert die türkische Zeitung Hürrieyt Salehi. „In den kommenden Tagen werden wir versuchen, die Verantwortlichen der Messe zu überzeugen, ihre Meinung zu ändern. Wir werden ernsthaft in Erwägung ziehen nicht teilzu nehmen.“

Journalisten, die sich für die Eröffnungs-Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse anmelden wollten, waren überrascht: Bei der Anmeldung musste eine «Zuverlässigkeitsüberprüfung» mit zahlreichen Angaben einschließlich der Personalausweisnummer ausgefüllt werden. Ende September war der Grund dann klar: Salman Rushdie wurde als «Keynote-Speaker» (Gastredner) bei der Auftakt-Pressekonferenz am 13. Oktober angekündigt.

Der indisch-britische Autor war 1989 mit einer «Fatwa» belegt worden. Radikale Muslime hatten seinen Roman «Die satanischen Verse» als gotteslästerlich empfunden und ein Todesurteil über ihn verhängt. Dieses zwang den Schriftsteller in den Untergrund und die britische Regierung dazu, Rushdie unter Polizeischutz zu stellen. In den vergangenen Jahren absolvierte er dennoch zahlreiche öffentliche Veranstaltungen, obwohl er manchmal Auftritte kurzfristig absagen musste.

«Seine Biographie und sein literarisches Werk verleihen ihm eine gewichtige Stimme in der weltweiten Diskussion über Meinungsfreiheit im Publizieren», begründete Buchmessen-Direktor Juergen Boos die Einladung, so die dpa. Meinungsfreiheit ist eines der Schwerpunktthemen der diesjährigen Buchmesse.

Rushdie kritisiert auch die, wie er es nennt, „Kultur der Gekränktheit“. Seiner Ansicht nach sei es völlig absurd und bedrohe zudem die Redefreiheit, wenn Menschen das Verbot eines Werkes forderten, nur weil andere sich darüber ärgern würden. Die Idee, dass wir fordern könnten in einer Welt zu leben, in der nichts niemanden beleidigt, sei absurd, so der 65-Jährige. Diese Kultur zeige sich jedoch nicht nur islamischen Radikalen, sondern überall auf der Welt und würde als Argument vorgebracht, um andere zu attackieren. Dem, so sein Appell, müsse man widerstehen. Sonst könnte man am Ende etwas sehr wertvolles einbüßen: Die Meinungsfreiheit, die nicht so leicht errungen wurde. Er selbst habe das in den letzten Jahrzehnten jedenfalls versucht, Angst und Rachegedanken auszublenden und einfach der Autor zu sein, der er nunmal ist.

Rushdie hat immer wieder auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die von Religionen ausgehen können. So äußerte er sich zuletzt im Jahr 2015 nach dem Terroranschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo: „Religion, eine mittelalterliche Form der Unvernunft, wird, wenn sie mit modernen Waffen kombiniert wird, zu einer echten Gefahr unserer Freiheiten. Derartiger religiöser Totalitarismus hat zu einer tödlichen Mutation im Herzen des Islams geführt und wir sehen heute die tragischen Folgen in Paris.“

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