Auszeichnung für Zaimoğlu: Deutsch-türkischer Autor erhält Berliner Literaturpreis 2016

Der deutsch-türkische Schriftsteller Feridun Zaimoğlu wird mit dem Berliner Literaturpreis 2016 geehrt. Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung ist mit der Heiner-Müller-Gastprofessur an der Freien Universität Berlin verbunden. Der 50-Jährige erhalte den Preis «für sein sprachgewaltiges erzählerisches und dramatisches Werk», erklärte die Jury am Donnerstag.

Zaimoğlu erhält ihn am 17. Februar 2016 vom Regierenden Bürgermeister und Stiftungsratsvorsitzenden Michael Müller (SPD). (Foto: Flickkr/ Feridun Zaimoglu auf dem Blauen Sofa der LBM 2012 by Blaues Sofa CC BY 2.0)

Zaimoğlu erhält ihn am 17. Februar 2016 vom Regierenden Bürgermeister und Stiftungsratsvorsitzenden Michael Müller (SPD). (Foto: Flickkr/ Feridun Zaimoglu auf dem Blauen Sofa der LBM 2012 by Blaues Sofa CC BY 2.0)

Zaimoğlu, 1964 im türkischen Bolu geboren, lebt bereits seit seinerfrühesten Kindheit in Deutschland. Zentrales Thema sind für ihn die Schicksale von Migranten und Einwanderern. Zuletzt erschien die west-östliche Familiensaga «Siebentürmeviertel».

Der Literaturpreis wird seit 2005 von der Berliner Stiftung Preußische Seehandlung verliehen. Gewürdigt werden sollen damit herausragende Beiträge und gleichzeitig die deutschsprachige Gegenwartsliteratur der Gattungen Erzählende Literatur, Lyrik und Dramatische Literatur gefördert werden. Die Entscheidung obliegt fünf Juroren, darunter einem Vertreter der FU Berlin. Mit dem Preis einher geht auch das Angebot einer Berufung jeweils zum Sommersemester auf die am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft errichtete, undotierte Heiner-Müller-Professur.

Die Juroren Prof. Dr. Peter-André Alt, Sonja Anders, Dr. Jens Bisky,  Dr. Ina Hartwig und Dr. Thomas Wohlfahrt erklärten ihre Wahl wie folgt:

„Der Schriftsteller Feridun Zaimoğlu erhält den Berliner Literaturpreis 2016 für sein sprachgewaltiges erzählerisches und dramatisches Werk. (…) In seinem Debüt ‚Kanak Sprak‘ (1995) fand und erfand er eine Sprache für ‚Mißtöne vom Rande der Gesellschaft‘. Abseitsstehende und Ausgegrenzte werden in seinen Werken zu zentralen Figuren und zu Akteuren.Vielstimmig gestaltet er die Erfahrungen von Einwanderern und Migrantinnen (‚Leyla‘, 2006). Er hat rund ein Dutzend Theaterstücke geschrieben und Shakespeares berühmteste Dramen in eine drastisch-gegenwärtige Sprache übersetzt. Zaimoğlu gebietet  über das gesamte Repertoire der deutschen Literatur, erzählt anschaulich und burlesk, originell und anspielungsreich, plastisch und unromantisch zugleich. Sein jüngsterRoman, die west-östliche Familiensaga ‚Siebentürmeviertel‘ (2015), bettet die Geschichte  deutscher Emigranten der dreißiger Jahre in ein Gesellschaftspanorama der  frühen  Türkei ein, changierend zwischen Pathos und Ironie, Schmerz und Schönheit.“

Zaimoğlu erhält ihn am 17. Februar 2016 vom Regierenden Bürgermeister und Stiftungsratsvorsitzenden Michael Müller (SPD). Bisherige Preisträger waren unter anderem Herta Müller, Durs Grünbein und Sibylle Lewitscharoff.

2002 erhielt Zaimoğlu den Hebbel-Preis, 2003 den Preis der Jury beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt und 2004 den Adelbert-von-Chamisso-Preis. Im Jahr 2005 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Im selben Jahr erhielt er den Hugo-Ball-Preis und 2007 den Grimmelshausen-Preis, 2008 den Corine-Preis für seinen Roman Liebesbrand, 2010 den Jakob-Wassermann-Literaturpreis und 2012 den Preis der Literaturhäuser. Im Jahr 2015 ist er Stadtschreiber von Mainz.

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