Kurz vor den Neuwahlen: Justiz stoppt Ausstrahlung kritischer Kanäle in der Türkei

Kurz vor den Neuwahlen am 1. November sind in der Türkei weitere regierungskritische Fernsehsender verboten worden. Die Staatsanwaltschaft wies den größten Bezahl-TV-Anbieter des Landes an, Kanäle von der Senderliste zu streichen, die dem Erzrivalen des türkischen Präsidenten, Fethullah Gülen, nahe stehen. Grund seien Ermittlungen wegen Verstoßes gegen die Verfassung.

Die Staatsanwaltschaft in Ankara hat dem größten Anbieter von Bezahlfernsehen in der Türkei die Ausstrahlung sieben regierungskritischer Fernsehkanäle untersagt. Der Anbieter Digitürk teilte am Donnerstag mit, dass unter anderem die Sender Kanaltürk, Samanyolu TV und Bugün TV nicht mehr angeboten werden. Grund seien Ermittlungen wegen Verstoßes gegen die Verfassung. Die betroffenen Sender stehen der Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen nahe.

Gülen war früher ein Verbündeter des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Inzwischen wirft Erdogan Gülen vor, die Regierung stürzen zu wollen, so die dpa.

Die ebenfalls der Gülen-Bewegung nahestehende Zeitung «Today’s Zaman» berichtete, den betroffenen Kanälen werde Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen. Zuvor hatte schon der Bezahlsender Tivibu nach Medienberichten die Ausstrahlung Gülen-naher Sender gestoppt.

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