Gazprom straft Türkei ab: Kein zusätzliches Erdgas via Blue Stream

Gazprom-Chef Alexej Miller hat angekündigt, Ankaras Nachfrage nach weiteren drei Milliarden Kubikmetern Erdgas durch die Blue Stream Pipeline nicht nachzukommen. Zwei Milliarden Kubikmeter würden durch die Turkish-Stream-Pipeline kommen. Deren Kapazitäten sollen nach dem Willen Russlands nun aber ebenfalls geringer ausfallen.

Während seines offiziellen Besuchs in der Türkei im vergangenen Dezember hatte der russische Präsident Wladimir Putin verlauten lassen, dass sich die Türkei und Russland  auf die genannten drei Milliarden Kubikmeter zusätzlicher Übertragung verständigt hätten. Millers Ankündigung elf Monate später, dem nicht nachzukommen, kommt nun nur wenige Tage nach Erdoğans scharfer Kritik in Richtung Moskau.

Im vergangenen Jahr kaufte die Türkei 27,4 Mrd. m³ Erdgas von Gazprom, was die Türkei damit zum größten Importeur von russischem Erdgas macht, so die türkische Zeitung Sabah. Erdoğans vollmundige Ankündigung, dass die Türkei verschiedene Alternativen in Sachen Erdgas-Bezug habe, dürfte nicht nur Moskau verstimmt haben. Sie ist obendrein auch kritisch zu sehen. Auf kurze Sicht müsse die Türkei auch weiterhin Gas aus Russland beziehen, um die Nachfrage der 75 Millionen Bürger zu decken, so auch das Blatt. Mittelfristig könnte die Türkei jedoch auf die Trans-Anatolian Erdgas-Pipeline (TANAP) bauen, über die aserbaidschanisches Erdgas durch Georgien und die Türkei nach Europa  geliefert werde und die so zur Verringerung der russischen Abhängigkeit beitrage.

Erst vor wenigen Tagen hat Russland seine ehrgeizigen Energiepläne mit der Türkei deutlich reduziert. Die vorgesehene Gaspipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer soll statt aus vier nur aus zwei Röhren bestehen, sagte der Chef des Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, am Dienstag russischen Agenturen zufolge in St. Petersburg.

Damit halbiere sich die Gesamtkapazität der Leitung auf rund 32 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Als Grund nannte Miller den Ausbau der Ostsee-Pipeline Nord Stream zwischen Russland und Deutschland. Hier sollen zwei weitere Röhren 2019 in Betrieb gehen (mehr hier).

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte in dieser Woche eine deutliche Warnung gen Russland ausgesprochen. Auf seinem Weg nach Japan warnte er vor einer Aufkündigung der Gaslieferverträge. „Wir können die aktuelle Situation nicht akzeptieren. Russlands Erläuterungen zu den Luftraumverstößen sind nicht überzeugend“, zitiert die englischsprachige Nachrichtenagentur Reuters Erdoğan auf seinem Flug zu einem Staatsbesuch in Japan. Falls nötig, könne die Türkei ihr Gas von vielen anderen Orten bekommen.

Die Türkei ist derzeit Russlands größter Gasabnehmer. Rund 28 bis 30 Milliarden Kubikmeter seines jährlichen 50 Milliarden-Kubik-Verbrauchs werden aus Russland bezogen. Weitere wichtige Lieferanten sind Iran und Aserbaidschan, eine kleine Menge kommt zudem aus Turkmenistan. Sollte sich das jedoch ändern, dann wäre das ein erheblicher Verlust für Russland, warnt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan.

Im Rahmen einer Pressekonferenz in Brüssel machte Erdoğan deutlich: Russland werde viel verlieren, wenn es die Freundschaft mit der Türkei aufs Spiel setze. In Anbetracht der offenbar zweimaligen Verletzung türkischen Luftraumes durch russische Kampfflugzeuge verwies er auf Artikel 5 des Nato-Vertrags un stellte fest: „Ein Angriff auf die Türkei ist ein Angriff auf die Nato, das sollte man wissen.“

In seinen härtesten Ausführungen gegenüber Russland in der aktuellen Krise, beschuldigte Erdoğan Moskau und seinen Verbündeten Iran daran zu arbeiten, den „Staatsterror“ des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad aufrecht zu halten. Nach den jüngsten Luftraumverletzungen ruhig zu bleiben, sei natürlich nicht möglich, so der türkische Präsident.

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