Rennen für das Miteinander: Jüdisch-muslimischer Laufclub in Israel

Manche sprechen schon von einer neuen Intifada, so angespannt sind die Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern in Jerusalem. Doch nicht alle lassen sich von den Emotionen mitreißen. Sportler wagen ein ungewöhnliches Experiment: Gemeinsam laufen.

Ein jüdisch-arabisches Vereinsteam hat sogar schon am Stadtlauf im August in Berlin teilgenommen. (Screenshot: Facebook)

Ein jüdisch-arabisches Vereinsteam hat sogar schon am Stadtlauf im August in Berlin teilgenommen. (Screenshot: Facebook)

Sie leben in derselben Stadt, aber betrachten sich als Feinde. Israelis und Palästinenser leben getrennt voneinander in ihren Stadtvierteln in Jerusalem. Kontakte gibt es kaum. Sie sprechen nicht einmal die selbe Sprache – umso leichter ist es, Hass und Misstrauen zu schüren. Gegen diesen Teufelskreis laufen Israel Haas und seine Unterstützer an.

Der 36-jährige Jude hat einen Laufverein gegründet, in dem Juden und Araber gemeinsam trainieren. Ein jüdisch-arabisches Vereinsteam hat sogar schon am Stadtlauf im August in Berlin teilgenommen.

Der Auslöser sei für ihn die angeheizte Stimmung rund um den Gazakrieg 2014 gewesen, erzählt Haas. Andere vor ihm hätten bereits diese Idee gehabt, aber niemand habe sie umgesetzt. «Ich wollte diese Sache ins Laufen bringen.» Seit Mai 2015 machen die Mitglieder von «Läufer ohne Grenzen» nun gemeinsam Sport.

Haas betont, seine Laufgruppe sei apolitisch, deswegen lehne er Spenden politischer Organisationen jeglicher Ausrichtung ab, selbst wenn die Finanzen knapp seien. Auch Läufer mit radikaleren politischen Einstellungen will er potenziell ansprechen. «Wir geben hier nicht vor, irgendetwas anderes zu machen, als miteinander zu laufen», sagt Haas.

Dies sei keine politische Aussage per se, meint der 18 Jahre alte Itzik Karacik. «Es ist eine Grundsatzaussage, dass Juden und Araber zusammen sein können.» Sogar jemand mit sehr rechten Ansichten, der aber kein Rassist sei, könne sich damit identifizieren, findet er.

Gemeinsam laufen, das soll nicht das gegenseitige Verständnis der Sportler selbst vertiefen, sondern auch das ihrer Familien und Freunde. «Es hilft, einander besser kennenzulernen, zu erleben, dass nicht alle Juden schlecht sind», sagt Samaha Maruf. Der 17-jährige Palästinenser kommt aus Ost-Jerusalem.

Die beiden Jungs wagten erste Kontaktversuche: «Anfangs wusste ich nicht, wie ich mit ihm reden soll», gibt Itzik zu. Er hatte noch nie wirklich mit einem gleichaltrigen Palästinenser gesprochen. Auch Samaha kannte zuvor keine jüdischen Jugendlichen, so die dpa.

«Samaha und Itzik habe einiges gemeinsam erlebt. So entstehen neue Freundschaften», sagt Haas. Die beiden nahmen gemeinsam am Stadtlauf im August in Berlin teil. Die Mädchen- und Jungenteams der Gruppe beteiligen sich an Rennen in Israel und im Ausland, und es werden auch eigene Laufveranstaltungen organisiert: Die nächste ist für den 22. Oktober geplant. Angesichts der vermehrten gewaltsamen Zwischenfälle hat Haas eine private Sicherheitsfirma engagiert.

Itzik hofft, dass andere Teenager sich ein Beispiel an ihnen nehmen: «Damit sie verstehen, dass die Anderen auch Menschen sind und das es möglich ist, in Frieden zu leben, trotz des ganzen Wahnsinns um uns herum.»

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