Türkische Gemeinde warnt nach Anschlag vor Gewalt auch in Deutschland

Nach dem verheerenden Bombenanschlag in Ankara warnt die Türkische Gemeinde vor gewaltsamen Auseinandersetzungen von Kurden und nationalistischen Türken auch in Deutschland.

Anhänger der Terrororganisation PKK rufen im Internet zur Vergeltung auf. (Foto: Flickr/ The Way of the Exploding Fist by Feans CC BY 2.0)

Anhänger der Terrororganisation PKK rufen im Internet zur Vergeltung auf. (Foto: Flickr/ The Way of the Exploding Fist by Feans CC BY 2.0)

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, hat nach dem verheerenden Bombenanschlag in Ankara vor gewaltsamen Auseinandersetzungen von Kurden und nationalistischen Türken und auch in Deutschland gewarnt. «So wie die Stimmung jetzt gerade in der Türkei ist, befürchte ich eine weitere Eskalation auch hier», sagte er dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Montag).

Er beobachte Aufrufe zu ungenehmigten Demonstrationen in den sozialen Medien. Anhänger der Terrororganisation PKK riefen zur Vergeltung auf. Die radikalen Gruppen seien zwar auf beiden Seiten in der Minderheit. Der Chef der Türkischen Gemeinde fügte jedoch hinzu: «Wehret den Anfängen.»

Nach dem Terroranschlag in der Türkei sind am Samstag in mehreren deutschen Städten spontan Hunderte Menschen auf die Straße gegangen. Zu prokurdischen Demonstrationen kam es unter anderem in Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main und Stuttgart. Die Polizei sprach von einem friedlichen Verlauf der Proteste.

In Frankfurt demonstrierten nach Polizeiangaben rund 750 Menschen. Der Veranstalter, die Initiative «Freiheit für Öcalan», sprach von bis zu 2000 Teilnehmern. Ursprünglich sollte für die Freilassung des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan demonstriert werden. Nach dem Anschlag in Ankara richtete sich der Protest aber auch «gegen den Terror des türkischen Staates gegenüber den Friedensaktivisten in der Türkei und Kurdistan», wie der Veranstalter mitteilte.

In Hamburg ging der Protestzug vom Hauptbahnhof zum Türkischen Generalkonsulat im Stadtteil Rotherbaum, so die dpa. In Stuttgart zogen rund 700 Menschen nach einer Kundgebung durch die Innenstadt. In Heilbronn nahmen etwa 350 Menschen an einer Demonstration der Kurdischen Gemeinschaft teil. Auch in Mannheim, Freiburg, Karlsruhe, Ulm und Pforzheim wurde demonstriert.

Bei dem Doppelanschlag auf eine regierungskritische Friedensdemonstration in Ankara waren nach offiziellen Angaben mindestens 86 Menschen getötet und mehr als 180 verletzt worden. Es war der schwerste Terroranschlag in der jüngeren Geschichte des Landes. Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP war nach eigener Einschätzung Ziel des Anschlags und macht der Regierung Vorwürfe. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte den Angriff.

Anfang August berichtete der deutsch-türkische Journalist Eren Güvercin von einem Anschlag auf ein Gebäude des deutsch-türkischen Verbands ATIB in Kornwestheim. Die Täter beschmierten die Fassade des Gebäudes mit der Aufschrift „PKK“.

Güvercin meldet per Facebook: „Angriff auf ATIB-Gemeinde in Kornwestheim (übrigens ZMD-Mitglied…..) durch die ‪#‎PKK‬. Mal schauen, ob die deutschen Parteien das verurteilen werden, und ob es eine Solidarität von muslimischer Seite geben wird… Wenn alle muslimischen Organisationen und Verbände diesen Anschlag öffentlich und lautstark verurteilen würden, gemeinsam und in Einheit, würde das auch von der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Wenn die PKK morgen eine Demo machen will, dann kommen Zehntausende. Wenn Muslime mal gemeinsam etwas machen wollen, kommt keiner zusammen, weil jeder das unter seiner Fahne machen will, als Selbstinszenierung. Das ist die Realität. Und einige politisch-korrekte Muslime scheuen sich davor, sich mit Atib solidarisch zu erklären. Man will ja nicht mit angeblichen ‚Faschisten‘ in eine Schublade gesteckt werden…“

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