Nach Anschlag: Istanbuler Gouverneur verbietet Trauerveranstaltung

Drei Tage nach dem Terroranschlag von Ankara hat der Istanbuler Gouverneur eine Trauerveranstaltung im Bezirk Beyazit verboten. Aufgrund der «sensiblen Lage» werde die Versammlung nicht erlaubt, teilte das Gouverneursamt am Dienstag mit.

Die Bevölkerung solle Aufrufen zu Demonstrationen, die die «öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden», keine Beachtung schenken, hieß es weiter.

Im asiatischen Stadtteil Kadiköy hinderte die Polizei eine Gruppe Demonstranten daran, mit der Fähre auf die europäische Seite zu gelangen, wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete. Dabei kam es auch zu Rangeleien mit den Sicherheitskräften. Vier Menschen wurden nach Angaben von DHA festgenommen.

Über die aktuelle Stimmung im Land schreibt auch die liberale schwedische Tageszeitung «Dagens Nyheter». Am Dienstag kommentiert sie zum Attentat in Ankara:

«Die türkische Regierung weist IS als Schuldigen am Terrorattentat in Ankara aus, aber das trifft auf Skepsis. Die Gewalt ist ein weiterer unangenehmer Teil des Wahlkampfes. Nach der blutigen Terrortat in Ankara am Samstag wurde Staatstrauer verkündet, aber ein nationaler Zusammenhalt ist nicht sichtbar. Im Gegenteil verschlimmert sich die politische Polarisierung in der Türkei vor der Neuwahl am 1. November nur noch.»

Bei dem Doppelanschlag am Samstag waren nach Regierungsangaben fast 100 Menschen getötet worden. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu legte am Dienstag Nelken am Anschlagsort in Ankara nieder.

Der verheerende Anschlag am vergangenen Samstag hat auch das Auswärtige Amt dazu bewogen, seine Reise- und Sicherheitshinweise für die Türkei auf einen neuen Stand zu bringen. Während in Ankara höchste Vorsicht geboten ist, sieht es in den Ferienregionen offenbar ruhig aus.

Die Behörde schreibt:

„Am 10. Oktober 2015 kam es im Zentrum von Ankara zu einem Anschlag mit Toten und Verletzten. Deutschen, die sich in der Türkei aufhalten oder dorthin reisen möchten, wird empfohlen, insbesondere die Innenstadt von Ankara zu meiden sowie sich über die Reise- und Sicherheitshinweise und Medienberichterstattung informiert zu halten.

Landesweit ist mit einer Zunahme der politischen Spannungen zu rechnen, weitere Anschläge oder gewaltsame Auseinandersetzungensind nicht ausgeschlossen. Es wird daher nochmals dringend darauf hingewiesen, dass sich Reisende von Demonstrationen, Wahlkampfveranstaltungen und größeren Menschenansammlungen, insbesondere in größeren Städten, fernhalten sollten.

Seit Juli 2015 führen die Türkei und Verbündete militärische Operationen im Grenzgebiet zu Syrien und Irak durch. In der Folge hat sich die Gefahr terroristischer Anschläge erhöht. Bisher ergeben sich hieraus keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Ferienregionen an der Mittelmeerküste.“

Nach merheren terroristischen Anschlägen in Istanbul im vergangenen August gilt auch für die Millionenmetropole nach wie vor erhöhte Aufmerksamkeit. Bei Reisen nach Istanbul werde zu erhöhter Vorsicht geraten. Das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden, die Anwesenheit an belebten Plätzen im innerstädtischen Bereich und in Verkehrsmitteln des öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs auf das erforderliche Maß einzuschränken sowie Regierungs- und Militäreinrichtungen zu meiden. Auch bei Reisen über Land sei demnach besondere Umsicht und Vorsicht geboten. Von Reisen in die Provinzen Srnak und Hakkari wird hingegen dringend abgeraten.

Bereits nach dem Attentat von Suruç warnte das Amt vor terroristischen Anschlägen und Entführungen (mehr hier).

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