Appell an dm-Chef: „Stoppen Sie die Unterstützung von Pro PKK Gemeinschaften!“

Der Protest gegen eine geplante Kassieraktion von dm hat nun auch eine Petition auf Change.org nach sich gezogen. Der Petent richtet sich direkt an den dm-Geschäftsführer Erich Harsch. In dem kurzen Text erklärt er auch, wie der Vorwurf der Terrorunterstützung zustande kommt. Ein Irrtum, wie an anderer Stelle dargelegt wird.

Ein User namens Sergen Ilhan hat am 12. Oktober eine Petition gegen die Geburtstagsaktion in einem dm-Markt in Troisdorf bei Köln gestartet. In einem kurzen Appell wendet er sich direkt an Erich Harsch, der seit 2008 Herr über 3149 Filialen und 52.587 Mitarbeiter ist. Unterdessen hat sich auch der Verein zu Wort gemeldet. Für den Ehrenvorsitzenden steht fest: Es hätte nur einer kurzen Recherche bedurft, um diese Vorwürfe zu entkräften.

Anders als viele User im Netz versucht der Petent sein Anliegen einigermaßen sachlich vorzutragen. Er schreibt:

„Am 17. Oktober von 11-12 Uhr startet eine große dm-Kassieraktion. Alle Einnahmen gehen dan die Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn e.V. Diese kurdische Gemeinschaft unterstützt die Civata Kurdistan, welche eine Nebenorganisation der kurdischen Untergrundbewegung und verbotenen Terrororganisation PKK ist. Anstatt das Geld einer VERBOTENEN TERRORGANISATION zu spenden, helfen Sie lieber den Flüchtlingen, den Bedürftigen und den Armen. Wir können nicht weiter zulassen, dass der Terror weitergeführt wird! Lasst uns nicht Teil des Terrors werden! Wir müssen all dem ein Ende setzen! KEINE AKTION FÜR DEN TERROR!“

Bislang haben seine Petition 82 User unterzeichnet. In einzelnen Kommentaren legen sie dar, warum sie das Anliegen unterstützen. So meint etwa eine Userin: Es gibt sinnvollere Spenden, die nichts, aber rein gar nichts mit einem Terror zu tun haben Spenden soll helfen, nicht eine Terroreinheit unterstützen!!!!Eine andere sagt: „Die Unterstützungen welche an kurdische Gemeinden / Vereine / Institute usw. gehen, auch automatisch die Terrororganisation PKK unterstützen.“ Ein dritter Kommentator führt an. „…,weil wir viel lieber bei Rossmann einkaufen und Terroristen nicht gerne unterstützen. Desweiteren hat die Welt viel größere Probleme wie z.B. hungernde syrische Flüchtlinge, obdachlose, dem Terror ausgelieferte UNSCHULDIGE Kinder im Gaza-Streifen und vieles mehr!!“

Am 17. Oktober soll sich Rupert Neudeck (Mitbegründer der Hilfsorganisation Cap Anamur) in dem Markt in Troisdorf an die Kasse setzen. Alle seine Umsätze als Kassierer sollen als Spende an die Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn e.V. gehen.

Der besagte Verein steht bei einigen Usern allerdings in der Kritik. Denn: „Dieser Verein sammelt u.a. Spenden für Menschen und Flüchtlinge aus dem Shingal-Gebirge (Irak). Dort gab es besonders im letzten Jahr heftige Gefechte zwischen den Kämpfern der radikal-islamistischen ISIS, kurdischen Peshmerga und Jesidischen Milizen. Hunderte Jesidinnen gerieten in Gefangenschaft, wurden versklavt. Männer die ihrem Glauben nicht entsagen wollten, wurden erschossen“, klärt die Bild auf. Nationalistischen (Deutsch-)Türken schmecke die Aktion überhaupt nicht. Sie würden behaupten, die Drogerien würden die als Terrororganisation eingestufte PKK unterstützen, so das Blatt weiter.

Das Deutsch Türkische Journal ist den Vorwürfen auf den Grund gegangen, die unter anderem über die Facebookseite „Türkische Fakten“ verbreitet werden. Für das Blatt steht fest, an Beweisen für die These, dass dm damit die Terrororganisation PKK unterstüzte, mangelt es. Hierzu schreibt die Redaktion:

„Vermeintliche Beweise, dass die Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn e.V. ein PKK-Unterstützerverein ist, lieferte die Seite gleich mit: Auf dem Anmeldeformular des Vereins steht auf Kurdisch „Gemeinschaft Kurdistans“, also „Civata Kurdistan“. Unter einem Screenshot des Anmeldeformulars prangt zum Vergleich der Wikipedia-Artikel zur PKK-Nebenorganisation CDK. Deren Name wiederum heißt übersetzt „Demokratische Gemeinschaft Kurdistans“, oder „Civata Demokratik Kurdistan“. Das kurdische Wort „Civata“, also Gemeinschaft, kommt in beiden Namen vor. Punkt. Beweis erbracht. Auf eine Anfrage von DTJ nach weiteren Belegen für die These, dass die Gemeinschaft Verbindungen zur PKK hat, antwortete der Admin der Seite bisher nicht.“

Auch auf Twitter werde unter dem Hashtag #dmunterstütztterror fleißig zum Boykott der Drogeriekette aufgerufen, so das Journal weiter. Allerdings habe es den Anschein, als würden sich die Empörten nicht die Mühe gemacht haben, auch nur einmal etwas über die Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn e.V. in Erfahrung zu bringen. Schaue man sich den Verein nämlich genauer an, so komme man zum Schluss, dass eine Verbindung zur PKK äußerst unwahrscheinlich ist. Die Redaktion klärt auf:

„Der Verein entstammt einer anderen Traditionslinie als die PKK, verbunden fühlt er sich laut seinem Ehrenvorsitzenden Musa Ataman eher Ideengebern wie dem türkisch-kurdischen Politiker und Intellektuellen Kemal Burkay. Burkay, politisch eher dem linken Spektrum zuzuordnen, ist ein entschiedener Gegner der PKK und sieht sie bekennender Weise als eine Organisation des türkischen Tiefen Staates.“

Im Gespräch mit den DTJ stellte Musa Ataman, der Ehrenvorsitzende des Vereins, außerdem klar:

„Wir sind ein Verein, der seit 26 Jahren in der Region tätig ist und bei dem Freiwillige aller Nationalitäten Mitglied sind. Neben Türken, Kurden und Deutschen sind 13 verschiedene Nationalitäten bei uns aktiv. (…) Wir lehnen jede Organisation ab, die Gewalt als Mittel zur Erreichung politischer Ziele nutzt. Man kann in keinster Weise behaupten, dass wir die PKK unterstützen würden. In Deutschland ist die PKK unter anderen Namen organisiert. (…) Es hätte nur einer kurzen Recherche bedurft, um herauszufinden, dass wir mit der PKK nichts zu tun haben.“

Den DTJ zufolge erwägt der Verein nun rechtliche Schritte einzuleiten, um sich gegen solche Behauptungen zur Wehr zu setzen.

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