Schock in Ankara: Passanten finden Leichenteile

Vier Tage nach den Bombenanschlägen von Ankara gerät nun die türkische Spurensicherung in die Kritik. Offenbar hat die Tatorträumung nicht sorgfältig genug funktioniert. Türkische Medien melden am Dienstag,dass Passanten an verschiedenen Orten Leichenteile entdeckt hätten. Und das, zwei Tage, nachdem das Areal wieder freigegeben worden war.

Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, hätten Passanten drei Tage nach den Terroranschlägen die schockierenden Funde an gleich drei unterschiedlichen Standorten gemacht. Die ersten sterblichen Überreste hätten Journalisten des privaten türkischen Senders Kanal D aufgefunden.

Die Reporter waren eigentlich vor Ort, um über eine Trauerversammlung für die Opfer der Explosion zu berichten. Schnell sei ihnen klar gewesen, dass die verbrannten Leichenteile von den Beamten übersehen worden sein mussten.Und das, obschon sie wohl nur fünf Meter vom Tatort entfernt gelegen hätten. Die Reporter riefen darauf hin erneut die Spurensicherung. Weitere sterbliche Überreste seien von einer Gruppe entdeckt worden. Auch sie befürchteten, dass diese von den Anschlagsopfer stammen könnten.

Der Hürriyet zufolge hätten die Kollegen von Kanal D außerdem berichtet, dass die Stadtreinigung nach dem Anschlag ebenfalls Leichenteile entdeckt hätte. Diese seien bereits der Staatsanwaltschaft übergeben worden.

Wenige Tage nach den verheerenden Anschlägen von Ankara scheint die Polizei eine heiße Spur zu haben. Dem türkischen Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu zufolge konzentrierten sich die Ermittlungen auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Eine 100-prozentige Sicherheit haben die Behörden aber bislang nicht.

Premier Ahmet Davutoğlu stellte am Montag klar: Untersuchungen des IS haben derzeit „erste Priorität“. Der Politiker machte jedoch deutlich, dass auch die Terrororganisation PKK sowie die linksextreme Terrorgruppe DHKP-C mögliche Urheber der Tat seien.  Die Ermittler seien allerdings kurz davor, einen Verdächtigen zu identifizieren. „Es war auf jeden Fall ein Selbstmordattentat. DNA-Tests werden durchgeführt. Es wurde auch schon herausgefunden, wie die Selbstmordattentäter dorthin gelangten. Wir stehen kurz vor einem Namen“, so der Premier (mehr hier).

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