Die Türkei fährt zur EURO 2016!

Die türkische Fußballnationalmannschaft hat ein nach dem schwachen Start in die EM-Qualifikation fast nicht mehr für möglich gehaltenes Wunder vollbracht und mit einem 1:0-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Island doch noch als bester Gruppendritter das direkte Ticket für die EURO 2016 in Frankreich gelöst.

Ausschlaggebend dafür war neben dem großartigen Freistoß-Treffer von Selcuk Inan (89.) die Schützenhilfe Kasachstans, das mit 1:0 in Lettland triumphierte und damit erst die direkte Qualifikation für die Türkei ermöglichte. Die Niederlande dagegen muss nach einer 2:3-Pleite gegen Tschechien erstmals seit 1984 bei einer EM-Endrunde zuschauen.

Vor der Partie gab es im 41.981 Zuschauer fassenden bis auf den letzten Platz restlos ausverkauften Konya Büyüksehir Stadion verschiedene Szenarien für die türkische Nationalelf, der in der Qualifikationsgruppe A ein Punkt im letzten Spiel gegen Island für die Qualifikation zu den Play-Offs gereicht hätte, ganz unabhängig davon, wie das Spiel der Niederlande in Amsterdam ausgehen würde. Doch die Türkei lauerte gleichzeitig auch auf die Chance bei einem Sieg – sofern auch Kasachstan gewinnen würde – die direkte Qualifikation als bester Gruppendritter perfekt zu machen. Zu Spielbeginn entschied sich der türkische Nationaltrainer Fatih Terim zunächst aber dafür, hinten erst einmal die Null zu halten und vorne mit Hakan Calhanoglu als falschem Neuner auf Möglichkeiten zu lauern.

Lahme erste Halbzeit in Konya ohne nennenswerte Torraumszenen

Die Partie nahm angesichts dessen in der ersten Hälfte nur selten Fahrt auf. Die Türkei überließ den Gästen oftmals den Ball, bot dem Gegner dabei aber mit einem dicht gestaffelten Mittelfeld kaum freie Räume. Da die Terim-Elf auch selbst nur selten organisierte Angriffsversuche startete, sahen die Zuschauer im Konya Büyüksehir Stadion nur wenige Höhepunkte in den ersten 45 Minuten. Die Türkei kam zwar mit Öguzan Öyzakup (18.), Arda Turan (26.) und Volkan Sen (28.) zu vereinzelten Schussmöglichkeiten, doch die Versuche waren noch nicht konsequent genug. So ging es mit einem torlosen Remis in die Kabinen. Im Hinblick auf die mögliche Qualifikation für die Play-Offs sah es zu diesem Zeitpunkt bereits gut aus, da die Niederlande zur gleichen Zeit mit 0:2 zur Halbzeit gegen Tschechien hinten lag. Im anderen für die Türken relevanten Spiel stand es zwischen Lettland und Kasachstan nach der ersten Hälfte 0:0.

Auch in der zweiten Hälfte die Türkei zunächst zurückhaltend

Nach dem Seitenwechsel lief die Partie zunächst genau so wie in den ersten 45 Minuten. Beide Teams neutralisierten sich meist im Mittelfeld und nur selten wurde das Tempo im Spiel forciert. Nach etwas mehr als einer gespielten Stunde nahm Fatih Terim an der Seitenlinie erstmals eine Veränderung im Spiel vor und brachte Gökhan Töre (62.) für den Besiktas-Mannschaftskollegen Oguzhan Öyzakup. Als das türkischen Lager nur wenig später die Nachricht von der 1:0-Führung Kasachstans erreichte, reagierte der türkische Teamchef Terim umgehend und brachte nun mit Cenk Tosun (72.) sowie Umut Bulut (75.) zwei echte Stürmer in die Partie. Das Kommando hieß nun Angriff: Die Türkei witterte die Chance auf die direkte Qualifikation.

Töre sieht nach brutalem Foulspiel Rot – Die Türkei in der Schlussphase zu Zehnt

Just als die Terim-Elf in der Schlussviertelstunde das Heft in die Hand nehmen wollte, erlaubte sich Gökhan Töre (77.) ein brutales Foul am Isländer Bödvarsson. Der italienische Referee Gianluca Rocchi zeigte dem Mittelfeldspieler direkt Rot. Töre musste also nur 15 Minuten nach seiner Einwechslung wieder runter vom Feld. Damit erwies er seiner Mannschaft in einer entscheidenden Phase der Partie einen Bärendienst. Die Mannen mit dem „Ayyildiz“ auf der Brust wollten es nun aber trotzdem wissen und drängten trotz der Unterzahl auf den Sieg.

Selcuk Inan erlöst in letzter Minute ein ganzes Land

In der 89. Spielminute bekam die Türkei dann einen Freistoß aus vielversprechender Position zugesprochen. Der als Freistoß-Spezialist bekannte Selcuk Inan nahm sich den Ball. Der 30-Jährige Mittelfeldstratege fasste sich ein Herz und erlöste ein ganzes Land mit einem perfekt getretenen Versuch, bei dem er dem isländischen Keeper Ögmundur Kristinsson keinerlei Abwehrchance ließ und den Ball im linken Winkel zum 1:0 für die Türkei versenkte. Das Konya Büyüksehir Stadion bebte zu diesem Zeitpunkt förmlich. Als dann vier Minuten später der Schlusspfiff ertönte und die Nachricht vom Sieg Kasachstans kam, kannte der Jubel bei der Mannschaft und den Fans nun keine Grenzen mehr. Die Spieler und der Trainer lagen sich mit Tränen in den Augen in den Armen.

Zum vierten Mal für eine EM-Endrunde qualifiziert

Die Türkei hat sich zum vierten Mal nach 1996, 2000 und 2008 für die Endrunde einer Fußball-Europameisterschaft qualifiziert. Zum dritten Mal ist es der Trainer Fatih Terim, der die Türken zu einer EM führt. Erneut hat der „Imparator“ mit seinen Mannen Geschichte geschrieben. Im Sommer nächsten Jahres wollen sie nun in Frankreich um die europäische Fußball-Krone kämpfen.

Aufstellungen

Türkei: Volkan Babacan – Caner Erkin, Hakan Balta, Serdar Aziz, Sener Özbayrakli – Selcuk Inan, Ozan Tufan – Arda Turan, Oguzhan Özyakup (62. Gökhan Töre), Volkan Sen (75. Umut Bulut) – Hakan Calhanoglu (72. Cenk Tosun)

Island: Kristinsson – Skulason, R. Sigurdsson, Arnason, Saevarsson – Gunnarsson, G. Sigurdsson, Bjarnason, Gudmundsson – Bödvarsson (82. Kjartansson), Sigthorsson (88. Finnbogason)

Tore: 1:0 Selcuk Inan (89.)

Rote Karte: Gökhan Töre (78.)

Gelbe Karten: Cenk Tosun – Gudmundsson

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de

 

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