Gewaltandrohungen, Boykottaufrufe, Hass-Kommentare: dm sagt Spendenaktion ab

Die Drogeriekette dm hat die für 17. Oktober geplante Spendenaktion mit dem bekannten Aktivisten Rupert Neudeck an der Kasse abgesagt. Man wolle keinen Nährboden für Eskalation bieten, so der Unternehmens-Chef. Das Vorhaben hatte im Netz für Unmut unter Deutsch-Türken gesorgt, die dm Unterstützung der Terrororganisation PKK vorwarfen.

Seit dem Wochenende sorgte eine Spendenaktion anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der dm-Filiale in Troisdorf für Wirbel im Netz. Noch am Sonntag verteidigte dm in einem Facebook-Post seine Aktion. Nach einer massiven Boykott-Kampagne zog das Unternehmen nun aber doch Konsequenzen.

„Die Drogeriekette dm hat eine Spendenaktion für Kurden abgesagt. Grund: Gewaltandrohungen, Boykottaufrufe und Hass-Kommentare im Internet“, berichtet unter anderem die Bild.

Unternehmens-Chef Erich Harsch, stellt auf der Homepage des Unternehmens klar:

„Wir haben wenig Verständnis dafür, dass soziale Hilfsaktionen Anlass sein sollen zur politischen Interessensvertretung oder gar zu verbaler oder physischer Gewaltausübung. Das verurteilen wir grundsätzlich. Nichtsdestotrotz müssen wir leider zur Kenntnis nehmen und anerkennen, dass wir mit Gewaltandrohungen wegen unserer Spendenaktion in Troisdorf, die ausschließlich dem Deutschunterricht für integrationswillige Menschen dienen sollte, konfrontiert sind. Um keinen Nährboden für Eskalation zu bieten, haben wir uns nun entschieden, die Spendenaktion abzusagen. Wir hoffen, damit einen Beitrag zur Deeskalation zu leisten.“

In einem aktuellen Facebook-Post auf der Seite von dm heißt es dazu:

dm bezieht erneut Stellung. (Screenshot YouTube)

dm bezieht erneut Stellung. (Screenshot YouTube)

Einem dm-Sprecher zufolge habe man die Aktion letztlich abgesagt, „um mögliche Ausschreitungen vor Ort zu vermeiden“, so die Bild weiter. Offenbar nicht zu Unrecht.

„Nach dem Terroranschlag mit fast 100 Toten in Ankara warnt die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) vor Gewalt zwischen Kurden und nationalistischen Türken in der Bundesrepublik“, berichtet unterdessen die dpa. Wegen der Eskalation der Lage in der Türkei und im Bürgerkriegsland Syrien sei mit einem Anstieg derartiger „Stellvertreter-Auseinandersetzungen“ zu rechnen, sagte DPolG-Chef Wendt der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag). „In der Vergangenheit haben Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden in der Türkei auch immer zu Konflikten dieser Gruppen in Deutschland geführt.“

Ermittler hätten die Szene schon länger im Blick, in sozialen Netzwerken werde bereits zu unangemeldeten Demonstrationen und Gewalt aufgerufen. Allerdings handele es sich bei vielen Internet-Einträgen auch nur um Propaganda, sagte Wendt der Zeitung. Um auf mögliche Krawalle angemessen reagieren zu können, forderte er mehr Personal für die Polizei.

Am Montag hatte bereits der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, auf drohende Gewalt zwischen Kurden und nationalistischen Türken in der Bundesrepublik hingewiesen. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD), warnte ebenfalls davor, „diesen Konflikt nach Deutschland zu tragen“ (mehr hier).

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