EM-Qualifikation 2016: Darum hatte die türkische Mannschaft diesen Erfolg

Nach einem schwachen Start in der EM-Qualifikation hatte damit eigentlich niemand mehr gerechnet. Doch im Spiel gegen Island schaffte die türkische Nationalmannschaft das scheinbar Unmögliche: Im letzten Gruppenspiel löste das Team von Fatih Terim das direkte Ticket für die EURO 2016 in Frankreich. Für Autor Davut Cöl ist klar, warum.

Zunächst erlebten die 41.981 Zuschauer im restlos ausverkauften Konya Büyüksehir Stadion eine nicht gerade spannende Partie zwischen Island und der Türkei. Doch dann, quasi in allerletzter Minute, riss Selcuk Inan das Ruder herum. Es folgte Jubel, Trubel, Autokorso. Für den Autor Davut Cöl ist das Fußballwunder auf einen Mentalitätswandel zurückzuführen. Initiiert von den Fans.

Rückblick: In der 89. Spielminute bekam die Türkei einen Freistoß aus vielversprechender Position zugesprochen. Der als Freistoß-Spezialist bekannte Selcuk Inan nahm sich den Ball. Der 30-Jährige Mittelfeldstratege fasste sich ein Herz und erlöste ein ganzes Land mit einem perfekt getretenen Versuch, bei dem er dem isländischen Keeper Ögmundur Kristinsson keinerlei Abwehrchance ließ und den Ball im linken Winkel zum 1:0 für die Türkei versenkte. Das Konya Büyüksehir Stadion bebte zu diesem Zeitpunkt förmlich. Als dann vier Minuten später der Schlusspfiff ertönte und die Nachricht vom Sieg Kasachstans kam, kannte der Jubel bei der Mannschaft und den Fans nun keine Grenzen mehr. Die Spieler und der Trainer lagen sich mit Tränen in den Augen in den Armen (mehr hier).

Der Freudentaumel in der Türkei und auch in Deutschland kannte keine Grenzen. Aber: „(…) trotz aller Euphorie muss erwähnt werden, dass die türkische Mannschaft gegen Island keinesfalls überzeugt hat. Sie hat erneut planlos und ängstlich gespielt. Das macht sie leider oft. Trotzdem muss man der Mannschaft einen Wandel zugestehen – und das hat seinen Grund“, so Cöl in seinem Beitrag für Focus Online.

„In letzter Zeit spielt man schlecht und gewinnt dennoch. Das erinnert an die deutsche Nationalmannschaft, die sich einst auch nicht mit Ruhm bekleckerte und dennoch drei Punkte mitnahm. Gewinnermentalität, könnte man sagen. Nur das zählt.“ Der Buchautor ist überzeugt: Daraus könne eine neue türkische Mannschaft erwachsen. Das würden Fans, Medien und auch das Team selbst spüren. Die Spieler kommunizierten anders miteinander. Man sporne sich gegenseitig an, man fordere sich und man gewinne gemeinsam.

In der Vergangenheit sei das anders gewesen. Da gab es eine Grüppchenbildung zund jeder spielte für sich. Dass das nun anders sei, möchte der Fußball-Fachmann allerdings nicht Nationalcoach Fatih Terim zuschreiben. Vielmehr war es seiner Ansicht nach Folgendes:

„Wenn sich nichts mehr rührt und die Mannschaft in ihrem Trott von einer Niederlage zur nächsten gleitet, dann findet häufig ein Ereignis statt, dass alle Beteiligten aufrüttelt. Im Falle der türkischen Nationalmannschaft war dieser Moment, als die Fans mit dem damaligen Stammtorhüter Volkan Demirel brachen. Dieser war nicht besonders kommunikativ und wenn, dann nicht motivierend. Seit dem November 2014 ist ein Auftrieb in der türkischen Mannschaft zu erkennen. Seitdem hat sie kein einziges Spiel mehr verloren. Den Wandel haben also die Fans initiiert und damit gebührt auch ihnen Lob. Sie haben den Trainerstab wachrütteln können, der dann zum Handeln gefordert war.“

Die Türkei hat sich zum vierten Mal nach 1996, 2000 und 2008 für die Endrunde einer Fußball-Europameisterschaft qualifiziert. Zum dritten Mal ist es der Trainer Fatih Terim, der die Türken zu einer EM führt. Erneut hat der „Imparator“ mit seinen Mannen Geschichte geschrieben. Im Sommer nächsten Jahres wollen sie nun in Frankreich um die europäische Fußball-Krone kämpfen.

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