Erster Krebsfall nach Fukushima bestätigt: AKW-Angestellter an Leukämie erkrankt

Gut viereinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat die japanische Regierung nun das erste Krebsopfer in Zusammenhang mit dem Unglück bestätigt. Ein Mitarbeiter ist in der Folge an Leukämie erkrankt. Weitere Fälle werden noch geprüft.

Ein ehemaliger Angestellter des Kernkraftwerks Fukushima ist sehr wahrscheinlich in Folge der radioaktiven Strahlung nach der Kernschmelze an Blutkrebs erkrankt. Das hat nun das japanische Gesundheitsministerium eingeräumt. Der Fall erfülle die Kriterien, heißt es.

Der Mann sei nach der Erdbeben und der Tsunamikatastrophe im März 2011 an den Aufräumarbeiten beteiligt gewesen und habe geholfen, die beschädigten Reaktoren zu verschließen, berichtet das Nachrichtenportal Worldbulletin. Zum Zeitpunkt der Katastrophe sei er Ende 30 gewesen. In der Anlage gearbeitet habe er von Oktober 2012 bis Dezember 2013.

In einer Pressekonferenz am Dienstag räumte die japanische Regierung nun die Verbindung zwischen dem Unglück und seiner Erkrankung ein. Dem Blatt zufolge übernehme diese auch die Kosten für die medizinische Versorgung des Mannes sowie alle Behandlungen. Auch eine Einkommensentschädigung sei ihm bezahlt worden. Genaue Summen seien allerdings nicht genannt worden.

Nach dem Unglück erkrankten bereits mehrere Arbeiter an Krebs. Allerdings hatte die japanische Regierung bis dato keinen direkten Zusammenhang zwischen einer Krebserkrankung und der Havarie anerkennen wollen.

Bereits drei Jahre nach der Reaktor-Katastrophe waren die Zahlen alarmierend. Die Krebsrate bei Jugendlichen aus der Region war drei Jahre nach der Atomkatastrophe dreißigmal höher als im Rest Japans. Bei einer Untersuchung von 270.000 Jugendlichen seien 74 Fälle von Schilddrüsenkrebs entdeckt worden, sagte Isamu Takamatsu, ein Kinderarzt aus Osaka, zum Auftakt der Europäischen Aktionswochen „Für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ 2014 in Dortmund. Takamatsu ist Mitglied des japanischen Ärztenetzwerks zum Schutz von Kindern vor Radioaktivität (mehr hier).

Die Häufigkeit der Erkrankung stieg besonders bei Menschen, die in der Nähe des Unglücksorts gewohnt hatten. Die Regierung bestreite jedoch jeden Zusammenhang der Krebserkrankungen mit dem Reaktorunglück, so Takamatsu.

Kurz zuvor war eine weitere japanische Studie zu einem ähnlichen Schluss gelangt, wie die Japan Times berichtete. Demnach seien 460 Anwohner der Katastrophengegend über einen Zeitraum von anderthalb Jahren auf ihre radioaktive Verstrahlung hin untersucht worden. Die Forscher seien zu dem Schluss gekommen, dass einjährige Mädchen aus der Region ein erhöhtes Risiko hätten, während ihres Lebens an Krebs zu erkranken.

2014 wurden auch Crew-Mitglieder eines US-Flugzeugträgers nach einem Rettungseinsatz in Japan mit verschieden Krebsarten diagnostiziert. Die Matrosen klagen gegen Tepco auf Schadensersatz. Sie warfen dem Unternehmen Fahrlässigkeit im Umgang mit der Atom-Katastrophe vor (mehr hier).

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