VW stoppt vorläufig Verkauf von zwei Diesel-Modellen in der Türkei

In der Abgas-Affäre stoppt Volkswagen vorläufig den Verkauf zweier Diesel-Modelle in der Türkei. Betroffen sind die mit 1,6-Liter-TDI-Motoren ausgestatteten Varianten des Jetta und des Caddy.

Der Verkaufsstopp soll eine freiwillige Maßnahme sein. (Foto: Flickr/ IMG_0152 by gavin rice CC BY 2.0)

Der Verkaufsstopp soll eine freiwillige Maßnahme sein. (Foto: Flickr/ IMG_0152 by gavin rice CC BY 2.0)

Nach Absprache mit der Volkswagen AG wolle man den Verkauf dieser Modelle ab Dienstagabend zunächst einstellen, teilte der Automobil-Importeur Dogus Otomotiv nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu mit. Es handele sich um eine freiwillige Maßnahme. Der türkische Industrieminister Fikri Isik sagte nach Angaben von Anadolu, der Verkauf solle nach «technischen Aktualisierungen» wieder beginnen.

Der Abgas-Skandal hat unterdessen nicht nur einen Landkreis in den USA auf den Plan gerufen, der von VW eine dreistellige Millionensumme verlangt. Auch eine erste Kanzlei in der Türkei ist aktiv geworden. Das Argument im Süden der Vereinigten Staaten: Durch mindestens 6000 in der Region verkaufte VW-Diesel-Fahrzeuge sei die Luft massiv verpestet worden. Die Juristen am Bosporus können ihr Anliegen noch nicht derart konkret formulieren. Sie erhoffen sich davon offenbar einen Überblick über das Ausmaß des Betrugs in der Türkei (mehr hier).

Während Harris County in Texas wegen Luftverpestung 100 Millionen US-Dollar von den deutschen Autobauern fordert, so die Houston Sun Post, geht es in Istanbul also erst einmal um Grundsätzliches.

Die Marke hat über Jahre Rekord-Pkw-Verkaufszahlen in der Türkei erreicht. Dieselfahrzeuge bilden rund 60 Prozent ihres Umsatzes im Land (…). Volkswagenbesitzer haben uns kürzlich aufgrund des jüngsten Emissions-Skandasl kontaktiert und behauptet, dass sie betrogen wurden seien, als sie ihre Fahrzeuge mit der betrügerischen Software gekauft hätten. Wir haben nun ein Rechtsverfahren eingeleitet, um zu verstehen, wie viele Emissionen von dieser Marke, die in der Türkei sehr beliebt ist, verursacht wurden und wie viele Fahrzeuge mit der Betrugssoftware ausgestattet wurden“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Mustafa Kemal Batur, Gründungspartner des CITIL Burak Batur Law Office.

Allein in den USA und Kanada gab es schon kurz nach Bekanntwerden des Skandals mehrere Dutzend Sammelklagen. Die Kunden und Autohändler sehen sich in der Umweltfreundlichkeit ihrer Fahrzeuge getäuscht. Auch in Deutschland sollen 2,8 Millionen manipulierte Fahrzeuge unterwegs sein. Juristen sind sich hier einig: Trotz einer geplanten Rückrufaktion seien die einstigen Käufer nun geschädigt. „Die Kunden wurden objektiv geschädigt, weil sie Autos von einer weniger guten Qualität erhielten als versprochen, zitiert die Rheinische Post den Anwalt Julius Reiter von der Kanzlei Baum Reiter & Kollegen in Düsseldorf, „also halten wir Schadenersatzklagen für erfolgversprechend. Dies bestätigt der Kölner Jurist Holger Hintze, Partner der Kanzlei WTS, so das Blatt: „Wenn Waren wegen schlechterer Umweltwerte deutlich weniger wert sind als gedacht, dann kann das einen deutlichen Mangel darstellen.

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