Öko-Autos: Türkei überraschend Spitzenreiter in Europa

Anders als die meisten Autofahrer in Europa, setzen die Türken verstärkt auf alternative Antriebe. Benzin und Diesel machen hier gerade einmal etwas mehr als 50 Prozent aus. Ihre Präferenzen schlagen sich auch in der Forschung rund um die Elektromobilität nieder.

Für türkische Autofahrer spielt der Verbrrauch ihres Fahrzeugs eine entscheidende Rolle. (Foto: Flickr/ taksim sunset by Matthias Rhomberg CC BY 2.0)

Für türkische Autofahrer spielt der Verbrauch ihres Fahrzeugs eine entscheidende Rolle. (Foto: Flickr/ taksim sunset by Matthias Rhomberg CC BY 2.0)

Zwei Drittel aller deutschen Autofahrer setzen auf Benzin. Der überwiegende Rest fährt ein Dieselfahrzeug. Ganz ähnlich sieht es in Österreich, Tschechien, Finnland oder Portugal aus. Die Türken „ticken“ in dieser Beziehung offenbar etwas anders. Das zeigen Zahlen von Eurostat. Fast die Hälfte der türkischen Autofahrer setzt auf andere Antriebsformen.

„Alternative Kraftstoffe, zum Beispiel Flüssiggas oder Elektromobilität, spielen eine geringfügige Rolle. Ähnlich schaut es in den meisten europäischen Ländern aus“, so die FAZ mit Blick auf Deutschland. Das Blatt stellt aktuell die von Statista aufbereiteten Daten vor. Diese zeigen: Die Türkei gehört, wie Polen und Litauen, zu den Ausnahmen. In der Türkei setzen der Grafik zufolge rund 30 Prozent der Autofahrer auf Benzin, etwa ebenso viele auf Diesel. Die übrige große Masse vertraut auf Alternatie Antriebe.

Und das nicht ohne Grund. Bereits 2014 erhob Statista derzeit wichtigsten Kriterien beim Autokauf in der Türkei. Die im Juli durchgeführte Umfrage ergab, dass zu diesen ganz klar der Kraftstoffverbrauch, die Sicherheit und der Preis des Automobils gehörten. In Deutschland wurde 2015 nach den Gründen gefragt, die in erster Linie zu der Entscheidung für einen neuen Pkw beitragen würden. Dabei wurde deutlich: Der Fokus hierzulande ist ein anderer: „41 Prozent der Befragten gaben an, dass der Preis ein entscheidungsrelevantes Kriterium beim Autokauf ist.“

Eine Ursache für die etwas andere Orientierung der Türken könnte schlicht an der Zapfsäule zu finden sein. Im Mai 2014 wurde das Gesetz für eine Preisdeckelung an türkischen Tankstellen wieder außer Kraft getreten. Die hiesige Regulierungsbehörde für den Energiemarkt (EPDK) hatte sie erst am 21. März eingeführt (mehr hier). Die Türkei gehört zu den Ländern mit den höchsten Treibstoffpreisen (mehr hier). Die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) machte die aktuelle Regierung für die hohen Preise verantwortlich. Die Steuern, die die Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) auf Treibstoff in ihrer elfjährigen Amtszeit erhob, hätte eine Preissteigerung um 210 Prozent verursacht.

Dass Industrie und Forschung in Anbetracht dessen andere Wege gehen, scheint klar. Im Mai dieses Jahres legten die Ingenieure von Toruk Electric Cars zusammen mit Ugur Sahin Design eine Konzeptstudie für ein neues Elektroauto vor. Schon in der Vergangenheit sorgten die türkischen Unternehmen durch ihre Zusammenarbeit mit Ferrari für Aufsehen. Hauptaugenmerk lag bei der Entwicklung des Autos auf Effizienz und Umweltfreundlichkeit. Das Auto ist so konzipiert, dass es möglichst wenig Energie verbraucht und stromlinienförmig ist. Verarbeitet wurden organisch recyclebare Materialien, die dem Ruf nachhaltiger und umweltfreundlicher Produktion gerecht werden (mehr hier).

Auch türkische Universitäten sind in dieser Sparte auf dem Vormarsch. Studenten aus Istanbul haben bereits 2014 ein Elektroauto gebaut, das sie in der ganzen Türkei getestet haben. Dabei hat das „T-1“ eine hervorragende Alltagstauglichkeit bewiesen. Weite Strecken können mit bis zu 130 Stundenkilometern zurückgelegt werden.

Während zahlreiche Unternehmen Fahrzeuge mit Hybridantrieb bauen und Renault ein Elektroauto in Serie herstellt, stehen viele Autofahrer elektrischen Autos kritisch gegenüber. Diese Vorurteile könnten türkische Studenten zum Kippen bringen. Das von ihnen gebaute Auto kostete die jungen Ingenieure lediglich 13 Euro nach 2500 Kilometern Laufleistung. Nach 500 Kilometern benötigte das Auto nur eine vierstündige Ladezeit (mehr hier).

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