Erdoğans Gegenteil: Ärmster Präsident der Welt fährt mit Uralt-VW durch Istanbul

Der ehemalige Präsident von Uruguay, Jose Mujica, ist für seinen bescheidenen Charakter bekannt. Diesen stellt er nun einmal mehr im Rahmen seiner aktuellen Türkei-Visite unter Beweis. Der einstige Staatsmann besteht, im Gegensatz zur türkischen Spitze, auf Einfachheit. Residiert wird in einem Drei-Sterne-Hotel am Taksim Platz, sein Fortbewegungsmittel ist ein VW Baujahr 1973.

Jose Mujica pflegt den einfachen Lebensstil konsequent. (Foto: Flickr/ Judith McHale and President Mujica by Embajada de los Estados Unidos en Uruguay CC0 1.0)

Jose Mujica pflegt den einfachen Lebensstil konsequent. (Foto: Flickr/ Judith McHale and President Mujica by Embajada de los Estados Unidos en Uruguay CC0 1.0)

Mujica ist als der ärmste Präsident weltweit bekannt geworden. Gemeinsam mit seiner Ehefrau hält er sich seit dem 29. Oktober in der Türkei auf. Angereist ist er nicht mit einem Privatjet, sondern kam mit einer Turkish Airlines Maschine aus Paris, um am Bosporus auf einer Reihe von Panels und Konferenzen Werbung für sein neues Buch zu machen.

Die Gemeindeverwaltung von Bakırköy habe für den einstigen Staatsmann einen Volkswagen aus dem Jahr 1973 als Dienstwagen arrangiert. Gefahren werde er vom CHP-Abgeordneten Veli Ağbaba, so die türkische Zeitung Hürriyet. Insgesamt werde Mujica zehn Tage in der Türkei verbringen. Während dieser Zeit stünden auch Abstecher nach Eskişehir und İzmir an.

Mujica sorgte während seiner Amtszeit für Aufsehen, weil er es vorzog, in einem einfachen Bauernhaus statt in einem Staatspalast zu wohnen. Der Großteil seiner Bezüge verwendete er nicht für sich, sondern steckte sie in soziale Projekte zugunsten seiner Bürger. Unterwegs war er in der Touristenklasse und mit seinem alten VW-Beetle.

Tatsächlich soll er 90 Prozent seines Gehalts von 12.000 US-Dollar gespendet haben, so die BBC. Damit bewegte er sich auf Augenhöhe mit seinen Bürgern und deren durchschnittlichem Einkommen von 775 US-Dollar pro Monat. Die Ackerfläche seines Anwesens bewirtschaftete er selbst. Das Haus und die Familie werden von zwei Polizisten und Manuela, einem Hund mit drei Beinen, beschützt.

Die Konsumgesellschaft, daraus machte er nie einen Hehl, sei ihm zuwider. Seiner Ansicht nach müsse die Menschheit anfangen, für eine andere Art von Kultur zu kämpfen. Nicht derjenige sei schlecht, der wenig besitze, sondern der, der immer noch mehr wolle, so Mujica auf der Rio + 20 Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan mag es hingegen deutlich opulenter. Zuletzt sorgte die Größe seines umstrittenen Präsidentenpalastes für Spott während eines Staatsbesuchs. Anlässlich seiner Visite in der Türkei hatte der finnische Präsident Humor bewiesen. In einem Interview scherzte Sauli Niinistö über die Größe des umstrittenen Präsidentenpalastes. Er hoffe, darin nicht verloren zu gehen.

Im Scherz erklärte er, es aufgrund der Ausmaße äußerst schwierig zu finden, sich im Präsidentenpalast zurecht zu finden. „Ich hoffe, dass ich dort nicht verloren gehe“, so der Staatsmann im Gespräch mit der türkischen Zeitung Hürriyet kurz vor seinem Treffen mit seinem Amtskollegen Erdoğan. „Vielleicht nehme ich einen Kompass mit.“

Niinistö ist der mittlerweile vierte Präsident, der den Palast besucht. Vor ihm hatten bereits Papst Franziskus sowie sein ungarischer und turkmenischer Amtskollege die Gelegenheit. Bislang kennt der Finne das gigantische Bauwerk nur von Fotos. Solche Paläste kenne man in Finnland jedenfalls nicht, so Niinistö. „Wir waren schon immer ein armes Land.“ (mehr hier)

Der wegen seiner Größe und Kosten umstrittene Palast war im vergangenen Jahr fertiggestellt worden. Der Palast kostete Erdoğans Angaben zufolge umgerechnet rund 400 Millionen Euro und verfügt über mehr als 1150 Zimmer. Nach Angaben der Architektenkammer hatten seit 2011 mehrere Gerichte Baustopps verhängt, die Erdoğan ignoriert habe. Ein Gericht erklärte den Palast Ende Mai für illegal.

Papst Franziskus
blieb Ende vergangenen Jahres der Tradition seiner Vorgänger treu: Wie Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. besuchte auch der Argentinier relativ kurz nach seinem Amtsantritt die Türkei. Die sechste Auslandsreise des 77-Jährigen vom 28. bis 30. November 2014 stand vor allem im Zeichen der Ökumene. Auch ein Treffen mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan war Teil des straffen Terminplans – der Papst wurde als erstes ausländisches Staatsoberhaupt in dem neuen Präsidentenpalast Erdoğans empfangen (mehr hier).

José Alberto Mujica Cordano, genannt El Pepe, ist ein uruguayischer Politiker und war von 2010 bis 2015 Präsident seines Landes. Von Beruf ist Mujica Blumenzüchter.

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