RWE setzt auf Wachstum in der Türkei

Der Energiekonzern RWE will sein Stromgeschäft in der Türkei deutlich ausbauen. Bis zum Ende der Dekade will das Unternehmen rund eine Million türkische Kunden haben. Die Chancen für eine weitere Marktdurchdringung scheinen gut. Bereits Anfang des Jahres wurde bekannt: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan will dem steigenden Energiebedarf seines Landes in den kommenden acht Jahren mit massiven Investitionen begegnen.

Der türkische Energieverbrauch soll sich in den vergangenen zwölf Jahren verdoppelt haben. (Foto: Flickr/ Istanbul by Moyan Brenn CC BY 2.0)

Der türkische Energieverbrauch soll sich in den vergangenen zwölf Jahren verdoppelt haben. (Foto: Flickr/ Istanbul by Moyan Brenn CC BY 2.0)

Der Energiekonzern RWE will wegen der Schwäche auf dem Heimatmarkt seine Geschäfte im Nahen Osten, Nordafrika und der Türkei ausbauen. „Die Region wird auf Dauer ein Gewinnbringer sein“, sagte Vorstandschef Peter Terium vor Journalisten in Dubai. „Die Bedeutung des außereuropäischen Geschäfts wird größer werden.“ In Dubai und Abu Dhabi hat RWE bereits einige Beratungsverträge für die Energieversorgung der Region abgeschlossen. „Wir prüfen Windkraft- und Solarprojekte in Ägypten“, ergänzte der zuständige Manager Paul van Son.

„Wir wollen die Kundenzahl von derzeit 4000 bis Ende 2016 auf 50.000 erhöhen“, sagte der Chef der Türkei-Tochter, Markus Enke. „Bis zum Ende der Dekade peilen wir rund eine Million Kunden an.“

Neben dem Vertriebsgeschäft ist RWE mit 70 Prozent an einem Gaskraftwerk in Denizli beteiligt. Dies erzeuge zwar wegen der zuletzt unter Druck geratenen Preise wohl etwa zehn Prozent weniger Strom in diesem Jahr, RWE habe aber keine Pläne, seinen Anteil an der Anlage zu verkaufen. Vielmehr könne sich der Versorger noch an weiteren Kraftwerken beteiligen. RWE werde sich auch gegebenenfalls zum Verkauf stehende Assets des E.ON Joint Venture Enerjisa anschauen, sagte der Manager.

Bereits Anfang des Jahres wurde bekannt: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan will dem steigenden Energiebedarf seines Landes in den kommenden acht Jahren mit massiven Investitionen begegnen. Bis zum hundertjährigen Jubiläum der Republik sollten umgerechnet gut 120 Milliarden US-Dollar fließen. Seiner Ansicht nach müsse die Türkei aber sowohl auf Atom- als auch auf Erneuerbare Energie setzen (mehr hier).

Das Wachstum der türkischen Wirtschaft in den vergangenen zwölf Jahren zwingt die türkische Regierung zum Handeln. Nach Angaben von Erdoğan habe sich der Energieverbrauch in dieser Zeit verdoppelt. Bis 2023 geschehe das noch einmal, so seine Prognose. Doch das erfordere nun auch weitreichende Investitionen.

In welche Richtung es für die Türkei in Sachen Energiepolitik in den kommenden Jahren gehen soll, machte der Präsident bei dieser Gelegenheit erneut deutlich: „Wir sind entschlossen, sowohl die Kernenergie in der Türkei als auch die Erneuerbaren Energien zu entwickeln.“ Gleichzeitig kritisierte Erdoğan, dass die entsprechenden Beitrittskapitel mit der EU nach wie vor nicht geöffnet worden seien (mehr hier).

Derzeit sind die Erdgas und Strompreise der Türkei die günstigsten innerhalb der 28 EU-Staaten. Sie bewegen sich auf dem gleichen Niveau wie im Jahr 2008, so der türkische Energieminister Taner Yıldız. Yıldız zufolge würde sein Ministerium die erneuerbaren Ressourcen bevorzugen, um die Erdgaseinfuhren zu verringern. Bis 2023 müsse die Türkei 110.000 Megawatt an Energiekapazität zulegen. Bis dahin sollen dann auch gut 30 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Ressourcen gedeckt werden. Dieser Fokus mache sich bezahlt: So habe die Türkei im Jahr 2014 850 Millionen US-Dollar weniger für seine jährlichen Energieimporte bezahlt. Und das nur aufgrund der Erhöhung der Leistung aus Erneuerbaren Energien. „Vor zwei Monaten war die Türkei erstmals in der Lage, für einen Tag zehn Prozent der täglichen Energieleistung aus Windkraft zu generieren“, so der Energieminister.

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