Soziale Medien: Türkische Minderheiten haben Angst, sich frei zu äußern

80 Prozent der Minderheiten in der Türkei sind der Ansicht, dass sie sich in Sozialen Medien nicht offen äußern können. 35 Prozent geben außerdem an, dass sie dort Ziel von Hasskommentaren seien. Das geht aus einer aktuellen, von der Europäischen Union finanzierten Umfrage hervor.

Minderheiten in der Türkei fühlen sich im Internet offenbar nicht frei. (Foto: Flickr/ Masificación de Internet by Ministerio TIC Colombia CC BY 2.0)

Minderheiten in der Türkei fühlen sich im Internet offenbar nicht frei. (Foto: Flickr/ Masificación de Internet by Ministerio TIC Colombia CC BY 2.0)

Vier Fünftel der türkischen Minderheiten mit griechischen, armenischen, jüdischen und syrischen Wurzeln sind der Ansicht, sie könnten ihre Ideen in den Sozialen Medien nicht frei äußern. Das geht aus einer Umfrage der griechisch-orthodoxen Yeniköy Panayia Kirche, der Bilgi Universität und dem Meinungsforschungsinstitut Konda hervor.

Nur 20 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich frei fühlten, ihre Gedanken in den Sozialen Medien zu teilen, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Die Übrigen sagten, dass sie ihre wahre Meinung aus Angst nicht preisgeben würden.

Die Befragten gaben an, am häufigsten auf Facebook, YouTube und Instagram zu sein. Gut 86 Prozent der Minderheiten würden hier ihren richtigen Namen nutzen. Nur zwei Prozent verwendeten einen Spitznamen. Zwölf Prozent würden beides nutzen.

Mehr als ein Drittel der Befragten sagten, sie seien auf diesen Plattformen auch Ziel von Diffamierung, Demütigung, Obszönitäten oder Bedrohungen geworden. Und das eben aufgrund ihrer Wurzeln.

Die Umfrage ergab jedoch auch, dass rund 60 Prozent der Minderheiten in der Türkei trotz dieser Situation glauben, dass Soziale Medien ihre Beziehung zum Rest der Gesellschaft verbessert hätten. 80 Prozent zeigte sich zudem überzeugt, dass die Türkei rechtliche Maßnahmen benötige, die die Verletzung von Rechten und Diskriminierung in den Sozialen Medien ahnden würde. Professor Ulaş Karan, der die türkischen und EU-Vorschriften in Bezug auf religiöse Minderheiten und Soziale Medien verglichen hat, sieht hier ebenfalls Handlungsbedarf. Er ist überzeugt: „Die Definition von Hassreden des Europarates muss in unsere [türkische] Gesetzgebung einfließen.Artikel 216 des türkischen Strafgesetzbuches verbiete zwar öffentliches anzetteln von Feindseligkeit, aber diese Klausel werde nicht geltend gemacht, wenn es um Minderheiten gehe, so Karan.

Zwischen dem 30. Januar und dem 17. April wurden 746 türkische Bürger, die Mitglieder der griechischen, armenischen, jüdischen und syrischen Gemeinden sind, befragt. Von den 746 Befragten waren 35 Prozent Juden, 27 Prozent Armenier, 18 Prozent Syrer und 15 Prozent Griechen.

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