Erdoğans harte Hand: Türkische Redakteure wegen kritischer Titelseite verhaftet

Die türkische Polizei ist kurz nach der Wahl erneut gegen kritische Journalisten vorgegangen. Stein des Anstoßes war ein provokantes Cover, das den türkischen Präsidenten mit einem vermeintlich drohenden Bürgerkrieg im Land in Verbindung bringt. Die aktuelle Ausgabe wurde inzwischen beschlagnahmt und der Titel auf der Internetseite wurde zensiert.

Update: Die beiden Redakteure sind wegen angeblicher Putschpläne angeklagt worden, so Reuters. Die Journalisten warteten im Gefängnis auf ihren Prozess, erklärte das Magazin „Nokta“ am Dienstag auf Twitter. Ihnen werde der Versuch eines Umsturzes vorgeworfen. Das zuständige Gericht in Istanbul war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Nach dem Wahlsieg der islamisch-konservativen AKP in der Türkei ist Haftbefehl gegen zwei leitende Redakteure der regierungskritischen Zeitschrift «Nokta» erlassen worden. Das berichtete der Sender CNN Türk am Dienstag.

Schon am Vortag waren die beiden Journalisten wegen der aktuellen Titelseite festgenommen worden. Diese zeigt Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan mit der Aufschrift: «Montag, 2. November, Beginn des türkischen Bürgerkrieges».

Den Journalisten wird nach CNN Türk «Anstiftung zu einer Straftat» vorgeworfen. Außerdem sollen sie das Volk zum bewaffneten Konflikt und Töten aufgestachelt haben. Die aktuelle Ausgabe wurde inzwischen beschlagnahmt und der Titel auf der Internetseite wurde zensiert. Die Istanbul Generalstaatsanwaltschaft habe Untersuchungen eingeleitet, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Dem Blatt zufolge habe der verhaftete Chefredakteur Cevheri Güven bei der Vernehmung angegeben, dass das Cover im Vorgriff auf eine Koalition statt auf eine Ein-Parteien-Regierung bereits vor den Wahlen entworfen worden sei. Für Erdoğan auf dem Titel habe man sich ob seiner Prominenz entschieden. Er stehe für politische Autorität. Die Redaktion habe überdies im Falle einer möglichen Koalition mit einer chaotischen Atmosphäre im Land gerechnet und sich deshalb für die Bürgerkrieg-Headline entschieden.

Der Hürriyet zufolge sei es nicht das erste Mal gewesen, dass Nokta rechtliche Probleme aufgrund eines Covers gehabt hätte. Erst am 14. September hätten Polizisten den Sitz in  Okmeydanı aufgesucht. Stein des Anstoßes war die 18. Ausgabe, die Erdoğan dabei zeigt, wie er ein Selfie in der Nähe eines Sarges von einem getöteten Soldaten macht. Der Vorwurf lautete damals auf  „Beleidigung der türkischen Präsidenten“ und das Zeigen von terroristischer Propaganda.“ Auch diese Ausgabe sei konfisziert worden und der betreffende Redakteur vorübergehen verhaftet.

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