Türkische Zeitung stellt Künstler an den Pranger

Eine türkische Zeitung hat berühmte Künstler wegen kritischer Twitter-Nachrichten an den Pranger gestellt. Die regierungsnahe «Sabah» erschien in ihrer Mittwochausgabe unter anderem mit dem Foto des bekannten Pianisten Fazil Say auf der Titelseite und der Überschrift: «Die Künstler, die ihr Volk verachten».

Ansicht der türkischen Zeitung Sabah an diesem Mittwoch. (Screenshot http://www.gazeteoku.com)

Ansicht der türkischen Zeitung Sabah an diesem Mittwoch. (Screenshot http://www.gazeteoku.com)

Im Innenteil der Zeitung sind die Bilder von insgesamt 16 Musikern und Schauspielern zusammen mit von ihnen abgesetzten Tweets abgebildet, so die dpa. Die Kurznachrichten seien hasserfüllt und demütigten Millionen Wähler der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP, schrieb das Blatt. Unter den abgebildeten Künstlern sind auch die mehrfach ausgezeichneten Schauspieler Tarik Akan und Beren Saat.

Der Pianist Fazil Say hatte nach dem Wahlsieg der AKP am Sonntag getwittert: «Möge diese 13-jährige finstere Ära ein Ende finden und mögen wir erhellt werden. Möge jeder von uns dieses eine Leben in Gleichheit und Frieden leben können.» Die AKP ist in der Türkei seit 2002 an der Macht.

Das Oberste Berufungsgericht der Türkei hat erst in der vergangenen Woche eine 10-monatige Haftstrafe gegen den weltbekannten türkischen Pianisten und Komponisten Fazıl Say aufgehoben. Nach Ansicht der Richter würden die Twitter-Posts, die einst für seine Verurteilung sorgten, unter das Gebot der freien Meinungsäußerung fallen. Das juristische Tauziehen um die Äußerungen des Musikers ziehen sich bereits seit 2012. Das Vorgehen gegen Say gilt als einer der größten Zensur-Skandale der vergangenen Jahre.

Mehr zum Thema:

Fazil Say-Urteil: Dağdelen sieht Gefahr eines islamistischen Staates
Türkischer Star-Pianist Fazıl Say feiert weltweit Triumphe
Fazil Say: Türkisches Kulturministerium verbietet Opern-Stück

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.