Helmut Schmidts Leibarzt: «Wir müssen jederzeit mit allem rechnen»

Der Gesundheitszustand von Helmut Schmidt hat sich nach Informationen der «Bild»-Zeitung seit dem Wochenende noch einmal «dramatisch zugespitzt». Der Altkanzler habe sich zusätzlich zu weiteren Beschwerden in Folge einer schweren Gefäß-OP vor zwei Monaten eine unklare Infektion zugezogen.

Er habe hohes Fieber und sei derzeit nicht mehr ansprechbar, berichtete die Zeitung am Montag unter Berufung auf Schmidts Familie und seinen Leibarzt Prof. Heiner Greten. «Sein Körper hat kaum noch Widerstandskräfte. Wir müssen jederzeit mit allem rechnen», sagte Greten dem Blatt.

Zuerst hatten das «Hamburger Abendblatt» und der Sender NDR 90,3 am Montag darüber unter Verweis auf Schmidts Freundeskreis berichtet, so die dpa. Dem «Abendblatt»-Bericht zufolge ist Schmidts Tochter aus England nach Hamburg gekommen und hält sich im Elternhaus auf.

Der Altkanzler war Anfang September in Hamburg wegen eines Blutgerinnsels am Bein operiert worden. Nach gut zwei Wochen verließ er das Krankenhaus und kehrte in sein Haus in Hamburg-Langenhorn zurück, wo er rund um die Uhr betreut wird. «Die Entlassung erfolgte auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten», hatte die Hamburger Asklepios-Klinik St. Georg damals erklärt.

Die erhoffte Stabilisierung ist dem Zeitungsbericht zufolge nicht eingetreten. «In seinem hohen Alter ist jeder Eingriff ein großes Problem», zitierte das Blatt eine Kontaktperson aus der Klinik.

Nach seiner Entlassung aus der Klinik Mitte September hatte Schmidts Kardiologe Prof. Karl-Heinz Kuck die Hoffnung geäußert, dass der 96-Jährige zu Hause wieder zu Kräften kommt. Gegen eine Zigarette hatte Kuck damals nichts einzuwenden. «Schmidt raucht seit mehr als 80 Jahren. Er soll ruhig wieder zur Zigarette greifen. Hauptsache, er bewegt sich.»

In der Klinik hatte der SPD-Politiker und Mitherausgeber der Wochenzeitung «Die Zeit» nach Angaben der Ärzte nicht geraucht. Er habe aber ein Nikotinpflaster bekommen. Bei früheren Krankenhausaufenthalten soll der Altkanzler nach Informationen aus Klinikkreisen immer geraucht haben – ungeachtet eines Verbots.

Schmidt war von 1974 und bis 1982 als Nachfolger von Willy Brandt Bundeskanzler. In der Großen Koalition war er zuvor von 1967 bis 1969 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und danach Verteidigungs- und Finanzminister. Den Hamburgern ist Schmidt auch als tatkräftiger Innensenator während der Sturmflut von 1962 im Gedächtnis. Der Sohn eines Volksschullehrers kam am 23. Dezember 1918 im Hamburger Arbeiterviertel Barmbek zur Welt.

Vor einigen Jahren äußerte sich der Altkanzler kritisch gegenüber Muslimen in Europa und Deutschland. Muslime seien Angehörige einer fremden Kultur und damit nicht zu vereinbaren mit der europäischen Kultur. Mit Griechen, Italienern oder Spaniern gebe es keinerlei Probleme in Deutschland. Denn jene integrieren sich mit der Zeit in die Gesellschaft oder kehren in ihre Heimatländer zurück.

„Es gibt keine großen Unterschiede zwischen den italienischen, französischen und deutschen Zivilisationen“, so Schmidt im Gespräch mit Radio Télévision Suisse. Die türkische Kultur sei komplett anders. Die syrische oder die ägyptischen Kulturen seien sich ebenfalls ähnlich. Doch es sei „gefährlich“, wenn eine Mischung mit fremden Kulturen oder Zivilisationen stattfindet.

Schon 2004 sagte Helmut Schmidt dem Hamburger Abendblatt, dass das Konzept des Multikulturalismus „inkompatibel mit einer demokratischen Gesellschaft“ sei. „Wenn jemand fragt, wo auf der Welt multikulturelle Gesellschaften funktionieren, dann kommt man schnell zu dem Schluss, dass der Multikulturalismus nur friedlich innerhalb eines autoritären Staates existieren kann“, so Schmidt.

Mehr zum Thema:

Helmut Schmidt und Integratio​n: Muslime sind das Problem
Die Türken-Pläne des Helmut Kohl: Er wollte sie loswerden
Peter Kohl: Der Vater muss sich zu den Türken-Plänen äußern

 

 

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.