Zukunft in der Türkei: Zahl der syrischen Unternehmen steigt um das 40-Fache

Syrischen Migranten sind im Laufe der vergangenen Jahre zu echten Wirtschaftsakteuren in der Türkei avanciert. Die Menschen aus dem kriegsgebeutelten Nachbarstaat stellen nicht nur ihre Arbeitskraft zur Verfügung, sondern auch ihre unternehmerischen Fähigkeiten. In der Zeit zwischen 2010 und 2014 ist die Zahl der syrischen Unternehmen um das 40-Fache gestiegen.

Die türkische Wirtschaft wird derzeit zunehmend durch syrische Unternehmer gestützt. Der rasante Anstieg in den vergangenen vier Jahren soll sich 2015 noch beschleunigen. Und das nicht ohne Grund: Amnesty International prognostiziert, dass das Gros der Flüchtlinge die Türkei wohl nicht mehr verlassen werde.

Allein im Jahr 2014 sollen insgesamt 1.257 neue Unternehmen in Partnerschaft mit syrischen Mitbürgern eröffnet worden sein. Im Jahr 2010 seien es lediglich 30 gewesen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet mit Verweis auf eine Studie der Türkischen Forschungsgemeinschaft für Politische Ökonomie (TEPAV) von Esra Özpinar, Seda Başıhoş und Aycan Kulaksiz.

Auch 2015 sei demnach der Anteil an Syrern in entsprechenden Personengesellschaften weiterhin gestiegen, so auch der türkische Dachverband der Handelskammern (TOBB). Die betreffenden Unternehmen seien weitgehend in Regionen nahe der türkischen Grenze zu Syrien und in den großen Städten, wo das Handelsvolumen höher sei, angesiedelt.

In Istanbul gebe es dem Beitrag zufolge 559 Unternehmen, die seit 2014 in Partnerschaft mit Syrern gegründet wurden. In Gaziantep seien es ganze 222 Unternehmen. 203 solcher Unternehmen befänden sich in der südlichen Provinz Mersin. In Hatay, Gaziantep, Şanlıurfa, Adana und Mersin, habe es im Jahr 2010 nur zwölf syrische Partnerschaften gegeben. Bis zum Ende des Jahres 2014 seien es 537 gewesen.

Rund 10,5 Prozent aller neuen Unternehmen, die im Jahr 2014 in Hatay gegründet wurden, seien syrische Partnerschaften. Im Jahr 2010 seien es gerade 0,68 Prozent gewesen. In Kilis habe es vor fünf Jahren überhaupt keine syrische Unternehmen gegeben. Aber ab 2014 stellten die syrischen Partnerschaften fast 34 Prozent der neu gegründeten Unternehmen.

Der TEPAV-Bericht stelle in diesem Zusammenhang auch die positiven ökononischem Auswirkungen auf die gesamte Türkei heraus. Die Migranten hätten die Regionen nahe der Grenzen belebt und durch ihre Produk- und Konsumgewohnheiten die Geschäfte angekurbelt.

Für die meisten syrischen Flüchtlinge wird die Türkei wohl nicht nur ein Zufluchtsort auf Zeit bleiben. Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International prognostiziert, werde das Gros nicht mehr nach Syrien zurückkehren können. Andrew Gardner, Türkei-Experte von Amnesty International, erklärte im Gespräch mit Voice of America Radio, dass derzeit 1,8 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei lebten. 200.000 seien in Flüchtlingslagern untergebracht und mehr als 1,5 Millionen in vorübergehenden Einrichtungen unter staatlicher Kontrolle.

Die türkischen Bemühungen jetzt, aber auch in der Zukunft seien von „entscheidender Bedeutung“, so Gardner. „Die Türkei sollte Maßnahmen gegen potentielle Angriffe durch die IS unternehmen, die auf syrische Einwanderer in der Türkei zielen könnten.“ Gleichzeitig lobte er die seit nunmehr vier Jahren aufrecht erhaltene Politik der „offenen Tür“ gegenüber den Flüchtlingen aus dem krisengebeutelten Nachbarstaat. Im Zuge dessen sei es seiner Ansicht nach jedoch wichtig, dass Ankara den Flüchtlingen einen rechtlichen Status gewährleiste. „Um diese Leute sollte sich gekümmert und ihre Eingliederung in die Gesellschaft gewährleistet werden. Viele syrische Familien sind in überfüllten Häusern untergebracht, unter Bedingungen, unter denen es keine Luft und keine Toiletten gibt.“

Nach Ansicht von Gardner sei hier auch die internationale Gemeinschaft gefragt, die der Türkei helfend zur Seite stehen müsste, um diese Situation zu verändern. Entsprechend misst er der Zusammenarbeit der Türkei mit der internationalen Gemeinschaft in dieser Hinsicht größte Bedeutung bei (mehr hier).

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