Türkische Hells Angels: Respektlos vor Gericht

Der„Hells Angels“-Boss Kadir P. und seine Gefolgsleute sollen sich vor Gericht alles andere als reumütig verhalten. Wie jetzt bekannt wurde, spielen sich im Hochsicherheitssaal 500 im Kriminalgericht Moabit Szenen wie in einer Problemklasse ab. Die Angeklagten verhalten sich unruhig und fordern Oberstaatsanwalt und Richter heraus.

Die Angeklagten im Rockerprozess scheinen den Gerichtssaal mit einem Klassenzimmer zu verwechseln. (Foto: Flickr/ A classroom by Colleen CC BY 2.0)

Die Angeklagten im Rockerprozess scheinen den Gerichtssaal mit einem Klassenzimmer zu verwechseln. (Foto: Flickr/ A classroom by Colleen CC BY 2.0)

Die Truppe um Kadir P. steht bereits seit gut einem Jahr vor Gericht. Mit neun Anhängern und einem Abtrünnigen sitzt der Rocker-Boss nun seit dem 20. Oktober 2014 hinter dickem Panzerglas. Verantworten müssen sie sich wegen des so genannten Wettbüro-Mords von Reinickendorf. Dort starb am 10. Januar 2014 der 26-jährige Tahir Ö. in einem Hinterzimmer. Seine Brust war mit sechs Kugeln durchlöchert.

Den Ernst der Lage haben die Angeklagte aber offenbar nicht erkannt – obschon ihnen lebenslange Haft droht. Der Tagesspiegel hat nun dokumentiert, wie sich die Rocker vor Gericht verhalten. „Sie unterhalten sich ständig, sie tuscheln und feixen in ihren Sicherheitsboxen aus Panzerglas. Weil die Scheiben auf halber Höhe Aussparungen haben, dringt jedes Wort in den Saal“, so das Blatt.

Ermahnungen des Oberstaatsanwaltes werden ignoriert und ins Lächerliche gezogen. Die des Richters ebenso: „Er klingt wie ein verzweifelter Lehrer, der seine Problemschüler aus der letzten Bankreihe unter Kontrolle bringen will. Bloß dass dies kein Klassenzimmer ist, sondern der Hochsicherheitssaal 500 im Kriminalgericht Moabit. Und dass die Ermahnten längst dem Schulalter entwachsen sind“, heißt es weiter.

Kurz nach der Sommerpause Ende August sorgte sich die B.Z. übrigens um die Sicherheit des Oberstaatsanwaltes. Redakteuerin Anne Losensky wies auf drei Männer hin, die Sjors Kamstra nicht mehr von der Seite weichen würden. Das sei neu, meint die sie und schreibt: „Kamstra soll nach B.Z.-Informationen in Gefahr sein, und die Justiz nimmt das bitterernst.“

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