Kein Entgegenkommen für Muslime: CSU blockiert Abschaffung der Sargpflicht in Bayern

Die CSU blockiert eine Abschaffung der Sargpflicht bei Beerdigungen in Bayern - auch wenn dafür religiöse Gründe geltend gemacht werden. Einen entsprechenden Antrag der Landtags-Grünen, die damit den im Freistaat lebenden Muslimen entgegenkommen wollten, lehnte die CSU-Mehrheit im Innenausschuss des Landtags am Mittwoch ab.

Die Zahl der deutschen Muslime, die sich in der Bundesrepublik beerdigen lassen wollen steigt. (Foto: Flickr/ Muslim grave by Nagarjun Kandukuru CC BY 2.0)

Die Zahl der deutschen Muslime, die sich in der Bundesrepublik beerdigen lassen wollen steigt. (Foto: Flickr/ Muslim grave by Nagarjun Kandukuru CC BY 2.0)

Muslime lassen sich in der Regel nicht im Sarg beisetzen, sondern in Tücher eingewickelt. Das ist in Bayern – anders als in vielen anderen Bundesländern – nicht erlaubt. In einer Anhörung hatten sich nicht nur Vertreter der Muslime für die Abschaffung der Sargpflicht ausgesprochen, sondern auch die katholische und die evangelische Kirche. Kritik war lediglich vom Bestatterverband Bayern gekommen, so die dpa.

Die Zahl der deutschen Muslime, die sich in der Bundesrepublik beerdigen lassen wollen steigt. Trotzdem sind islamische Bestattungen in Deutschlands nicht immer leicht durchzuführen. Erst seit März 2014 ist die Bestattung ohne Sarg in Baden-Württemberg möglich – für viele Muslime ein wichtiger Aspekt der Beisetzung. Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt halten hingegen noch an der Sargpflicht fest. Auch ist es in einigen Bundesländern nur erschwert möglich, den Verstorbenen innerhalb von 24 Stunden zu begraben, wie die islamischen Regeln vorgeben. In Nordrhein-Westfalen etwa dürfen Erdbestattungen nur mit einer zusätzlichen Todesbescheinigung innerhalb von einem Tag stattfinden.

Die Friedhofsverwaltungen zeigen sich aber oft flexibel: Bei islamischen Bestattungen ist die Gesetzgebung nicht entscheidend, heißt es in Mannheim. Wichtig sei der Umgang mit den Familien und der muslimischen Gemeinde. So wurde in Mannheim gemeinsam eine Lösung für die ewige Totenruhe gefunden, die im Islam vorausgesetzt wird, in Deutschland aber nicht möglich ist. Statt für 18 Jahre können Gräber nun für 50 Jahre gepachtet und beliebig verlängert werden.

Auch in Nürnberg wird pragmatisch gedacht: Ein 1989 angelegtes muslimisches Grabfeld gibt es zwar, einige muslimische Familien wollen ihre Verwandten aber lieber auf dem allgemeinen Friedhof bestatten. «Dann gehen wir mit den Angehörigen und einem Kompass los und suchen ein Grab, in dem der Verstorbene nach Mekka ausgerichtet werden kann», sagt Friedhofsleiter Günther Gebhardt. Angehörige und Friedhofsverwaltung sind kompromissbereit – die Sargpflicht ist in Nürnberg kein Hindernis für islamische Beisetzungen, sagt Gebhardt.

Die Zusammenarbeit lohnt sich, meint die Heilbronner Integrationsexpertin Keicher: Wenn eine Bestattung nach islamischen Vorgaben möglich ist, wird sich das auch herumsprechen. In Heilbronn gab es seit der Gesetzesänderung im Frühjahr zwar erst zwei sarglose Bestattungen – das werde sich aber noch ändern. Auch Erdinç Altuntas vom türkischen Verband DITIB zeigt sich von einem bevorstehenden Wandel überzeugt. Islamische Bestattung hierzulande zu erleichtern sei «ein wichtiges Zeichen an die Muslime, dass sie von der Geburt bis zum Tod Teil der Gesellschaft sind».

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