Tschetschenischer Präsident ruft Muslime weltweit zum Kampf gegen IS auf

Ramsan Kadyrow, umstrittenes Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien, hat zum vereinten Kampf gegen den Terror aufgerufen. Der Politiker wandte sich mit seinem Appell in dieser Woche an alle Muslime weltweit. Ziel ist die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Kadyrow verkündete seinen Aufruf an die Muslime in aller Welt am Mittwoch. (Screenshot YouTube)

Kadyrow verkündete seinen Aufruf an die Muslime in aller Welt am Mittwoch. (Screenshot YouTube)

Nach Ansicht von Ramzan Kadyrow hat der IS nun genug gewütet. In Anbetracht der verübten Grausamkeiten hätte nun kein Muslim mehr das Recht, neutral zu bleiben. Die Führer muslimischer Nationen sind für seinen Geschmack zu untätig.

„Kadyrow verkündete seinen Aufruf an die Muslime in aller Welt am Mittwoch, nachdem zuvor ein Video aufgetaucht war, welches zeigen soll, wie der selbsternannte ‚Islamische Staat‘ 200 syrische Kinder im Rahmen einer Massenhinrichtung exekutiert“, berichtet die Nachrichtenseite Russia Today.

Das Blatt verweist in diesem Zusammenhang auf den Instagram-Account des Politikers, wo er sich wie folgt geäußert habe: „Geheimdienste der USA und anderer westlicher Staaten haben die Köpfe terroristischer Gruppierungen aufgekauft und sie dazu angehalten Länder zu destabilisieren, muslimisches Blut zu vergießen und damit die Reputation des Islams anzuschwärzen.“

Ein amerikanischer Geheimdienst-Bericht zeigt, dass der Westen bereits 2012 Anzeichen für das Entstehen eines Islamischen Staats hatte. Doch unternommen haben die Amerikaner nichts, im Gegenteil: Sie sahen in einem solchen Gebilde eine Chance, Syrien zu destabilisieren und Assad zu stürzen. Das Dokument gibt Zeugnis für eine komplett fehlgeleitete Politik, die der Grund für die Flüchtlingswelle nach Europa und die weltweite massive Beschränkung der Bürger- und Freiheitsrechte ist (mehr hier).

An die muslimischen Führer appelliert Kadyrow: „Wieso kommt Ihr nicht zusammen und diskutiert dieses Problem? Wieso trefft Ihr keine Maßnahmen, um den IS zu bekämpfen? Wieso sagt ihr den USA und deren Verbündeten nicht, das Ihr genug von ihnen habt.“

Abschließend habe er die 1,5 Milliarden „jungen, gesunden, resoluten und mutigen Muslime” dazu aufgerufen, die internen Streitigkeiten zu überwinden und zusammen den gemeinsamen Feind, die Terrorgruppe Islamischer Staat, zu besiegen.

Wie Mitte Oktober bekannt wurde, hat der IS die islamische Jugend der Welt aufgerufen, den Dschihad gegen Russland und die USA zu entzünden. Grund sei der Kampf der beiden Supermächte gegen den IS im Nahen Osten (mehr hier).

Kadyrow selbst feierte 2013 eine tschetschenische Frau, die neun Jahre zuvor vier Salafisten getötet hat. Sie diene als Vorbild für die tschetschenische Gesellschaft. Der Islamismus ist ohne Zweifel ein sicherheitspolitisches Problem in der kaukasischen Republik (mehr hier).

Doch auch dem pro-russischen Ramzan Kadyrow werden von internationalen Menschenrechtsorganisationen, schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen und Auftragsmorde vorgeworfen. Einem Bericht der Organisation Human Rights Watch zufolge betreiben seine Sicherheitskräfte „systematische Folter“ gegen Regime-Kritiker und politische Gegner. Die Vorsitzende der Moskauer Helsinki-Gruppe, Lyudmila Alexeyewa, meint, dass Kadyrow für Entführungen mit anschließenden Ermordungen verantwortlich sei. Die Entführung und Ermordung der Menschenrechtsaktivistin Natalya Khusainowna Estemirowa soll auch auf sein Konto gehen. Beweise gab es bisher nicht.

Der Despot hat in Tschetschenien zwei politische Kontrahenten, die ernst zu nehmen sind. Zum Einen gibt es den Islamisten Dokku Umarow, der den Salafisten zuzuordnen ist. Er rief 2007 das „Kaukasische Emirat“ aus und stellt politische Machtansprüche auf Tschetschenien und weitere Gebiete des Kaukasus. Zum Anderen gibt es den Premierminister der tschetschenischen Exilregierung, Ahmed Sakajew, der eine friedliche Lösung des Tschetschenien-Konflikts herbeiführen will. Das geht aus dem österreichischen Verfassungsschutzbericht 2009 hervor. Dort wird auch erwähnt, dass „schwere Menschenrechtsverletzungen, Entführungen, Misshandlungen, wie auch Tötungen in Tschetschenien“ nach wie vor an der Tagesordnung sind.

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