Im Südosten der Türkei tobt ein „urbaner Krieg“

Die Auseinandersetzungen der türkischen Armee mit der Terrororganisation PKK treffen die Bevölkerung im Südosten der Türkei schwer. Seit mehr als zehn Tagen herrscht in Teilen von Silvan eine Ausgangssperre. Die Menschen sind isoliert. Es gibt weder Elektrizität noch Wasser oder Internet.

Die türkische Armee geht in Silvan gegen die Terrororganisation PKK vor. (Screenshot YouTube)

Die türkische Armee geht in Silvan gegen die Terrororganisation PKK vor. (Screenshot YouTube)

Die Zivilbevölkerung in der Südosttürkei muss erneut unter den Auseinandersetzungen zwischen der türkischen Armee und der PKK leiden. Neben Cizre hat es nun abermals Silvan getroffen. Bereits seit elf Tagen besteht hier eine Ausgangssperre.

„Aus der Stadt Silvan nahe Diyarbakır im Südosten der Türkei kommen in den letzten Tagen besorgniserregende Berichte, die eine katastrophale humanitäre Lage befürchten lassen. Seit zehn Tagen herrscht in den drei Stadtvierteln (mahalle) Tekel, Konak und Mescit eine Ausgangssperre, es ist die sechste innerhalb von vier Monaten. Elektrizität, Wasser und Internet wurden abgestellt, während die Armee und Sicherheitskräfte des türkischen Staates militärisch gegen die terroristische PKK vorgehen und dabei Berichten zufolge die Zivilbevölkerung schwer in Mitleidenschaft ziehen“, berichtete das Deutsch Türkische Journal am Donnerstag.

Die Ausgangssperre führe zu einer teilweise katastrophalen humanitären Lage in den betroffenen Gebieten, die sich mit jedem Tag noch verschlimmere, da weder Wasser, noch Nahrungsmittel die Wohngebiete erreich
en würden. Viele Einwohner würden deshalb Wände ihrer eigenen Häuser einreißen, um wenigstens mit ihren Nachbarn in Kontakt treten und die nötigsten Gebrauchsgüter und Nahrungsmittel tauschen zu können.

Ziel der Operation sei es, die urbanen Strukturen der PKK in der Region zu zerschlagen und aufgeschüttete Barrikaden sowie Schützengräben in der Stadt ausfindig zu machen und zu zerstören. Mittlerweile sollen Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und Helikopter gegen die Stadt eingesetzt werden, so das Blatt weiter. Ganze Stadtteile würden mit Artillerie beschossen. Verlässliche Angaben über mögliche Opfer gebe es allerdings nicht.

Das Vorgehen der Streitkräfte wird in der Türkei zunehmend kritisch betrachtet. So schreibt unter anderem der Hürriyet-Kolumnist Özgür Korkmaz in einem Beitrag vom 12. November:

„Das Ausheben von Schützengräben, das üblicherweise mit dem Errichten von Barrikaden einhergeht, hinter denen bewaffnete Militante stehen, oder Autonomieerklärungen und de facto Selbstverwaltung können in einem souveränen Staat nicht akzeptiert werden. Was aber ebenfalls inakzeptiert werden kann, ist die kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung während der anhaltenden Kämpfe.“

Die türkische Regierung zeigt sich jedoch unterbittlich. Wie Premier Davutoğlu am Freitag ankündigte, würden die Operationen fortgesetzt, bis alleProvinzen, Distrikte und Straßen sicher seien, so die türkische Zeitung Hürriyet. Silvan sei mittlerweile eine Geisterstadt, so das Blatt.

Mehr zum Thema:

Ausgangssperre in Cizre im Südosten der Türkei aufgehoben
Südosttürkische Stadt Cizre von Außenwelt abgeschnitten
Studienreiseanbieter Studiosus: Alle Reisen in den Südosten der Türkei abgesagt

 

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.