Blinde Konvertitin: „Der Islam hat mir die Augen geöffnet“

Die blinde Zeynep H. hat im Islam ihren Lebensweg gefunden. Die promovierte Juristin für islamisches Recht hat seit ihrer Kindheit Kontakt mit Muslimen. Eines Tages dann den Koran in die Hand zu nehmen, sei für sei eine göttliche Fügung gewesen.

Viele junge Menshen wissen zu wenig über den Islam. (Foto: Flickr/ Eqra'a by Yutaka Tsutano CC BY 2.0)

Viele junge Menshen wissen zu wenig über den Islam. (Foto: Flickr/ Eqra’a by Yutaka Tsutano CC BY 2.0)

Die 35-jährige gebürtige Deutsche hat sich mit dem Entschluss, Muslimin zu werden, Zeit gelassen. Mit 16 fing sie an, sich mit dem Islam auseinanderzusetzen. Doch die Akademikerin wartete schließlich bewusst bis zum 21. Lebensjahr, um zu betonen, dass sie diesen Schritt für sich und nicht etwa für einen Ehemann gegangen sei. Für sie steht fest: Die Entscheidung habe für sie letztlich auch das Leben mit ihrem Handicap schöner gemacht.

Für die junge Frau sei der Koran, anders als die Bibel mit ihren Gleichnissen, begründet und nachvollziehbar. Das sei für sie allerdings nicht die einzige Entscheidung gewesen zu konvertieren. Im Gespräch mit dem Deutsch Türkischen Journal sagt sie:

Ich habe viele Bücher gelesen. Und die Entscheidung, eines Tages den Koran in die Hand zu nehmen, war für mich eine göttliche Fügung. Für viele Menschen klingt es sehr abstrus, aber von da an veränderte sich mein ganzes Leben. Der Islam hat mir die Augen geöffnet. Die Bildung wurde schöner, das Essen schmeckte besser, die Menschen wurden netter… das Leben wurde cooler (lacht).“

Auch ihre akademische Laufbahn verdankt sie der Religion, ist sie überzeugt: „Nachdem ich zum Islam konvertiert bin, erkannte ich die Macht des Wissens. Im Koran heißt es: ‚Lies‘. Und ja, das habe ich im Grunde getan. Zeynep erzählt, dass sie sich auf Bildung und Studium konzentriert habe.

Von ihrem Studium am meisten in Erinnerung geblieben sei unter andere die Erkenntnis, dass Taliban und Co. mit dem Islam nichts gemeinsam hätten. Wenn beispielsweise das Islamische Recht so umgesetzt werde wie es gemeint sei, dann sei es weder frauenverachtend noch widersprüchlich zu unserem Grundgesetz, so die junge Frau. Sie persönlich finde es auch sehr wichtig, Dinge kritisch zu betrachten. Sie mahnt: „Ich finde es als Muslim sehr wichtig, was ja eigentlich auch die Pflicht eines jeden Muslim ist, die Dinge kritisch zu überprüfen. Man sollte nichts so hinnehmen, wie es von irgendeinem Salafisten beispielsweise behauptet wird.

Das würde sie sich offenbar auch von ihren Glaubensbrüdern und -schwestern wünschen. Denn die junge Frau hat während ihrer Reisen in der islamischen Welt auch negative Erfahrungen gemacht, wie sie erzählt:

„Kritisches Denken gibt es kaum in der islamischen Welt. Alles wird einfach vordiktiert für die jungen kleinen Köpfe. Als ich konvertiert bin, habe ich die Unwissenheit vieler Muslime gesehen. Menschen, die als Muslime geboren wurden, hatten nicht die geringste Ahnung über ihre eigene Religion. Und wenn sie was wussten, interpretierten sie es manchmal verheerend falsch. In Wirklichkeit ist diese Unwissenheit pures Gift für den Islam. Eines sollten und müssen die Menschen, insbesondere junge, übereifrige Muslime wissen: Die wichtigste Exegese für den Koran ist die Zeit!“

Ihr Wissen und ihre Religion setzt sie gemeinsam mit einer jüdischen Freundin übrigens konstruktiv ein. Gemeinsam haben sie Projekte gestartet, die den Dialog zwischen Muslimen und Juden fördern und stärken.

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